keine Zeit, Baby

Tausende Dinge, die wir gerne tun würden, ein Grund, sie nicht zu tun: keine Zeit.

Keine Zeit, um sich neben 40+-Stunden-Woche ehrenamtlich zu engagieren, ein neues Hobby anzufangen, die Großeltern zu besuchen oder den Keller auszumisten.
Irgendwie kommen wir mit der Zeit, die wir haben, gerade so über die Runden, sind da ja auch noch die zeitraubenden alltäglichen Kleinigkeiten, die erledigt werden müssen; außerdem die Pausen, die wir uns nehmen und auch nehmen müssen, um nicht durchzudrehen: die seltenen Abende auf dem Sofa, Sonntagnachmittage im Café. Davon, dass diese Pausen wichtig sind, bin ich überzeugt. Am Ende der Rechnung steht fest: das knappe Zeitkontingent ist aufgebraucht, mehr geht nicht.

Ist das so?

Vor Kurzem erzählte ich einer Freundin voller Begeisterung, dass ich jetzt Spanisch lernen würde. „Dafür hast du Zeit?“ Ja, ich befinde mich in einer relativ stressigen Phase meines Studiums und vielleicht könnte ich meine Zeit objektiv betrachtet besser nutzen, indem ich mehr Studienbezogenes lerne. Aber wer beurteilt, wann meine aufgewendete Zeit verschwendete Zeit ist? Wer sagt mir, wieviel Zeit ich sinnvollerweise für was aufwende? Hätte ich die Zeit, in der ich einen Artikel schreibe, den mit Glück fünf Leute lesen, lieber anders nutzen sollen? Vielleicht. Dennoch ist es meine Entscheidung, wie ich mit der mir gegebenen Zeit umgehe; eine der persönlichsten Entscheidungen überhaupt.

Aus diesem Grund zählt für mich die Ausrede „ich habe keine Zeit dafür“ nicht viel. Ich weiß, dass ich dies von einem privilegierten Standpunkt aus schreibe. Wer 16 Stunden seines Tages dafür aufwenden muss, dass er genug zu essen und ein Dach über dem Kopf hat, wer eine Familie zu versorgen hat, der hat vielleicht einfach keine Zeit dafür, mit einer neuen Sportart anzufangen. In den allermeisten Fällen geht es aber schlicht um die Setzung von Prioritäten. Ist es mir wichtiger, täglich ins Fitnessstudio zu gehen oder bestmöglich auf die Prüfung vorbereitet zu sein? Eine Sprache zu erlernen oder täglich frisch zu kochen?
Ich bin davon überzeugt, dass die meisten Leute, denen an einer Aktivität wirklich etwas liegt, Zeit dafür finden werden. Genauso ist es natürlich auch mit dem Kontakt zu Freunden, Familie und Bekannten: Wer einem wichtig ist, für den sollte man sich Zeit nehmen. Der Rest kann – leider – im Alltag schnell außer Sichtweite geraten. So wissen ich und die betreffenden Personen am Ende zumindest, wo die jeweiligen Prioritäten liegen.

Lässt das Arbeits- oder Studienleben wirklich kaum Zeit für andere Dinge, besteht aber die finanzielle Möglichkeit, etwas zu ändern, hängt auch eine solche Veränderung wieder von der Prioritätensetzung ab. Mehr Geld oder mehr Freizeit?
Ich habe das Gefühl, dass wir oft in eine trotzige „das geht aber nicht“-Haltung verfallen ohne uns klarzumachen, dass wir alleine Herren über unsere Zeit sind. Nie gab es mehr Möglichkeiten als heute, nie war es normaler, Job oder Studium zu wechseln, in Teilzeit zu arbeiten, mehrere Ziele zu verfolgen. Wenn wir zu diesen Privilegierten gehören, können wir uns unsere Zeit mehr oder weniger frei einteilen. Ich finde diese Möglichkeit sollte geschätzt und genutzt werden, auch, wenn irgendeine Aktivität dabei zwangsläufig zurückstecken muss. Diese ist uns dann wohl einfach nicht ganz so wichtig.

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Die Welt in meinem Auto

Heute möchte ich über etwas schreiben, über das ich auf den Blogs, denen ich so folge, noch nicht viel gelesen habe: Mitfahrgelegenheiten.
Das klingt erstmal ziemlich simpel. Klar, gute Sache, man kommt schneller an, es ist nicht teuer und im Optimalfall hat man ein bisschen Unterhaltung und weniger Autos, die die Straßen verstopfen. Mir gibt es aber noch ein bisschen mehr, mit den unterschiedlichsten Leuten quasi ein Stück meines Weges zu teilen.

Seit ich vor fünf Jahren nach Köln gezogen bin, zieht es mich mal mehr, mal weniger regelmäßig in mein „Heimatdorf“ zurück. Während ich zu Anfang meines Studiums noch an jedem zweiten Wochenende bei meinen Eltern zu Besuch war, ist das jetzt eher alle zwei Monate der Fall. Dort, wo ich herkomme, bin ich auf ein Auto angewiesen und ich bin ziemlich dankbar dafür, dass ich damit schnell und einfach in „die Stadt“ oder an andere Orte kommen kann. Billig ist das Ganze nicht und müsste ich für das Benzin komplett selbst aufkommen, würde ich wohl doch eher mit Bus oder Bahn fahren. Bis auf wenige Ausnahmen hatte ich also – zunächst nur um Geld zu sparen – auf jeder Fahrt von Köln Richtung Mannheim und zurück bisher ein bis drei Mitfahrer.

Was jetzt, bis auf den finanziellen Aspekt, so toll daran sein soll, fremde Leute in sein Auto zu packen und mit ihnen 2,5 Stunden auf engstem Raum zu verbringen?
Da gibt es mehrere Dinge. Zum einen komme ich so in Kontakt mit wahnsinnig unterschiedlichen Leuten: Meist sind es Studenten, aber auch ältere Menschen, die ihre Kinder besuchen, waren dabei; von vielen Studiengängen und Berufsgruppen hatte ich noch nie zuvor gehört. Meine Mitfahrer sind Bauarbeiter und Schauspieler, BWL-Studenten und Theologen, Menschen, die unter normalen Umständen einfach nicht so zufällig und so eng zusammenkämen.
So eine Fahrt kann lang sein und oft ergeben sich nach dem anfänglichen Smalltalk wirklich tiefsinnige Gespräche und persönliche Geschichten werden geteilt. Wiedersehen wird man sich wahrscheinlich nicht, niemand verstellt sich, um dem anderen zu gefallen, irgendwie ist jeder ehrlich und alles echt, manchmal auch total verrückt. Wenn ich nur einen Mitfahrer hatte, waren die Gespräche oft besonders eindrücklich und spannend, was mir einfach auch nach der Fahrt noch total gute Laune macht.
Mit jeder Geschichte lerne ich mich auch selbst ein bisschen besser kennen, übe mich in Empathie und hinterfrage vielleicht auch meinen Alltag und meine Gewohnheiten.

Besonders berührt, aber auch ziemlich mitgenommen hat es mich, eine Fahrt mit einem syrischen Geflüchteten zu teilen, der mir während der 2,5 Stunden ganz offen von seiner Flucht über das Mittelmeer und Osteuropa, seiner Sorge um seine Familie und seinen Versuchen, sich in Deutschland etwas aufzubauen berichtet hat.
Aber auch, wenn es nicht um persönliche Schicksale geht, finde ich es einfach sehr interessant, die Perspektive anderer auf bestimmte Dinge mitgeteilt zu bekommen und auch meine Meinung ehrlich loszuwerden. So bekomme ich immer wieder Anregungen, über den Tellerrand zu schauen. Häufig bewegt man sich in einem Dunstkreis von Menschen mit ähnlichen Berufen und Ansichten, aber auf den Fahrten merke ich, wie vielseitig Interessen und Werdegänge sein können.

Natürlich ist das alles nicht jedermanns Sache, manche Leute sind vom Gerede Anderer einfach schnell genervt. Bei mir ist das Gegenteil der Fall, ich finde persönliche Geschichten meist wahnsinnig spannend. Ich habe auch das Gefühl die Fahrt von Köln nach Mannheim hat genau die richtige Länge, um einen Einblick in das Leben eines anderen zu bekommen, ohne dass es unangenehm oder langweilig wird. Selbst bei langen Gesprächspausen oder wenn gar keine Unterhaltung zustande kommt, ist das für mich als Fahrerin kein Problem: ich konzentriere mich auf die Straße, mache ein bisschen Musik an und bringe die anderen sicher an ihren Zielort.

Auch, wenn fremde Menschen ab und zu nervig sein können und bestimmt nicht jeder Mitfahrer Potenzial hatte, mein neuer bester Freund zu werden, kann ich es einfach total empfehlen, dieses Verkehrskonzept zu nutzen und dabei auch noch etwas für seinen Geldbeutel und potenziell für die Umwelt zu tun, wenn man denn sowieso schon mit dem Auto fährt. Ich habe sogar so einen Spaß daran, dass ich ab und zu scherze, dass Taxifahrerin für mich vielleicht nicht der schlechteste Job wäre.

Weltschmerz

Manchmal schlägt er zu, wie mit eiserner Faust, direkt in den Magen. Er gibt mir das Gefühl von Ohnmacht, von Bedeutungslosigkeit. Ich bin alleine mit ihm, er schließt mich ein und alle anderen Menschen aus. Die Menschen, die Tag für Tag die Straßen auf und ablaufen, immer in Eile, auf dem Weg zu ihrem Arbeitsplatz, zu lästigen Terminen und den kleinen Freuden. Sie machen sich Gedanken um das Wetter, die neuen Nachbarn, ihren Hund und das peinliche Ereignis von vor drei Wochen. Sie kaufen einen Kaffee to go, checken ihr Smartphone und plaudern, tratschen und diskutieren miteinander. Irgendwie sind sie mittendrin. Und ich bin raus, für einen Moment.

Plötzlich, nur für eine kurze Zeit, macht nichts mehr Sinn. Warum sie so hetzen zum Beispiel und wieso sie jeden Tag das Gleiche tun; das, was sie nicht mögen und von dem sie sich eine Pause wünschen. Auf diese Pausen arbeiten sie hin: Eine schnelle Zigarette vor der Tür, die Kneipentour am Wochenende, der langersehnte Urlaub am Meer.
Ich verstehe nicht mehr, wieso sie Hunde streicheln und Lämmer essen, wieso verdammt wir heute noch Menschen versklaven, dem Ganzen nur ein neues Label aufdrücken, wieso Kinder verhungern und Tiere gemästet werden. Wieso sie so viel Geld für Diätprodukte und Fertigessen in Tuben und Dosen ausgeben und ob es sie gar nicht stört, dass wir im Müll ersticken. Wieso sie denen, die alles verloren haben, voller Hass entgegentreten und aus Fehlern viel zu oft nicht lernen. Wie sie so blind sein können für all die Zerstörung, für die sie mit ihrem Geld bezahlen, wieso sie nicht genug bekommen können. All die Zweifel an den hochgelobten gesunden Menschenverstand verschmelzen zu einem Klumpen, setzen sich in meiner Kehle und Magengegend fest.

Wie können wir so weitermachen wie bisher, nein, sogar immer schneller und intensiver, wenn Wissenschaftler unserer Spezies noch 100 Jahre auf diesem Planeten geben? Wie können wir unsere Kinder aufziehen in dem Glauben, dass alles gut wird, irgendwie, wenn wir nur weitermachen wie bisher?
Wir tun all das, weil es anders nicht zu ertragen wäre. Weil uns das ständige Bewusstsein der Vergänglichkeit und der Zerstörungskraft unseres Handelns lähmen würde. Deshalb bleibt nur ein kleines, nagendes Gefühl, das sich rasch von neuen Reizen überdecken lässt. Manchmal verschwindet es komplett aus unseren Hirnen und Herzen. Manchmal bricht es hervor, schlägt wütend um sich und verschafft sich Platz in meinem Kopf.

Doch am nächsten Tag sitze ich wieder an meinem Schreibtisch und füttere mein Hirn mit abstrakten Theorien, spreche in der Pause über Diesen und Jenen und nicht über Wichtiges. Versuche ein möglichst kleiner Teil des Problems zu sein, bin dennoch Mitverursacher, manchmal zu bequem und oft zu eigensüchtig.

Letztendlich erringe ich einen Teilsieg gegen den Weltschmerz, indem ich ihn mit aller Kraft aus meinem Kopf verdränge; nur ein vages ungutes Gefühl bleibt zurück, das immer mehr verblasst. Bis er irgendwann, ohne Vorwarnung, wieder zuschlägt.

Gedanken über Authentizität

Was ist mein Problem?

Ich mag meinen Schreibstil nicht mehr. Ich klinge so, als hätte ich alle Weisheit der Welt in mich aufgesogen und als hätte die Menschheit nur darauf gewartet, dass ich sie über ihr ausgieße. Andererseits bin ich oft mit meinen Meinungen und Erfahrungen viel zu unsicher. Ich will etwas von mir zeigen, das inspiriert und zum Nachdenken anregt ohne besserwisserisch und altklug zu klingen. Ich will Emotionen teilen – Ängste, Schmerzen, Unsicherheiten, aber auch Enthusiasmus, Liebe und Sehnsucht. Ich will viel, viel echter sein, öfter mal anecken. Das habe ich noch nie getan.

Gleichzeitig ist es in meinem derzeitigen Umfeld unglaublich leicht sich von der Masse abzuheben. Rebellieren um der Rebellion willen ist aber nicht mein Ziel. Ich suche überall nach mehr Authentizität, dabei kann ich sie doch nur für mich selbst definieren und in mir selbst finden. Viel zu oft sitze ich zwischen den Stühlen, kann mich mit wenigen Menschen und Lebenskonzepten identifizieren. Ich lebe aber auch keine Alternative zum Mainstream, ich lasse mich im Sog der Masse treiben und wundere mich, warum etwas nicht zu passen scheint; so als fehle der Kick, das letzte Puzzleteil vielleicht.

Ohne den Weg zu kennen irre ich planlos von hier nach dort und wieder zurück zum Anfang. Ich bin nicht vollkommen unzufrieden, aber richtig fühlt es sich auch nicht an. Es kommt mir vor als stünde ich wieder am Anfang eines langen Weges, am gleichen Ort wie vor einem halben Jahrzehnt. Wenn ich in mich hineinhöre, weiß ich, dass das nicht stimmt. Ich habe viel über mich gelernt, bin definitiv mehr zu der Person geworden, die ich sein will. Dass ich kein klares Ziel vor Augen habe, ist vielleicht nicht der Fehler. Der Fehler ist es, nicht auf mich selbst zu hören, sondern irgendeinen vorgeebneten Weg zu beschreiten, ohne auch mal nach links und rechts zu schauen, ohne rechte Lust, aber mit genug gesellschaftlichem Druck im Rücken, um weiterzugehen.

Der Schlüssel scheint wohl in mir selbst zu liegen. Nur habe ich vor lauter Auswendiggelerne keine Zeit und keine Kapazitäten zum Suchen. Gleichzeitig merke ich, dass es wichtig ist. Ich kann nur authentisch sein und werden, wenn ich meinen Leidenschaften folge und meine Meinung ausspreche. Das wiederum würde mir vermutlich in irgendeiner Form eine Richtung aufzeigen. Mein Vorsatz also: mehr Interessen erkunden, mehr Kanten zeigen, mehr stehenbleiben und die Aussicht genießen.

Jurastudium – spannend oder staubtrocken?

Wie ich immer mal wieder bereits anklingen lassen habe, befinde ich mich gerade in der Vorbereitung für das erste juristische Staatsexamen. Dieser Sommer wird – so traurig es auch ist – vorrangig in der Bibliothek und am Schreibtisch verbracht werden, weil von Mai bis Ende August die entscheidenden Klausuren anstehen. Und auch damit ist es noch nicht getan, die mündliche Prüfung wird nämlich erst 5 Monate nach der letzten schriftlichen absolviert und so lange lassen auch die Ergebnisse auf sich warten. So richtig schön ist das nicht und schon seit einigen Monaten macht sich vermehrt Stress und teilweise auch etwas Panik breit.

Mit meinem Studium verbindet mich eine Hassliebe; oft genug habe ich schon an meiner Wahl gezweifelt, dann aber auch wieder Spaß am Schreiben und Argumentieren empfunden. Weil ich auf Listen stehe, gibt es hier meine persönlichen Vor- und Nachteile in Listenform. Für Fragen bin ich natürlich auch jederzeit offen. 🙂

Was an meinem Studium so richtig nervt:

– Stress, Druck, Panikmache.
Manchen setzt die Examenszeit mehr zu und manchen weniger, aber das Gefühl, dass die komplette berufliche Zukunft von sieben mehr oder weniger zufälligen Prüfungen abhängt, ist alles andere als beruhigend.

– Konkurrenzkampf.
Ich muss sagen, dass mir die geschwärzten und herausgerissenen Seiten in der Bibliothek noch nicht untergekommen sind. Dennoch ist die Atmosphäre bei uns meiner Meinung nach nicht die entspannteste.

– Praxis bleibt außen vor.
Gruppenarbeiten, Referate, Übungen? Fehlanzeige. Dadurch gestaltet sich das Studium auch nicht besonders sozial. So bleibt auch nach längerer Zeit eine gewisse Anonymität unter den Studierenden erhalten.

– Das Grundstudium ist quasi irrelevant – vier oder mehr Semester… naja, nicht umsonst, aber nichts, was man konkret in der Hand hätte.

– Bis die einzelnen Themen und Rechtsgebiete in ihrem Gesamtzusammenhang einigermaßen verstanden werden, können Jahre vergehen. Ich persönlich habe erst in der Examensvorbereitung angefangen, einen Überblick über die Verknüpfungen zu gewinnen und habe dasselbe schon von vielen anderen gehört.

– Die lange (!) Examensvorbereitung.
Ja, ich lerne seit über einem Jahr. Ach, du kannst dir das nicht vorstellen? Erzähl mir mehr. Du könntest nie im Leben so diszipliniert sein? Glaub mir, ich bin jemand, der immer nur das Nötigste getan hat, aber „das Nötigste“ ist in diesem Fall eben eine monatelange Vorbereitung. Yep, fände ich anders auch cooler.

– Ausgesiebt wird zum Schluss.
Während sich die allermeisten durch das Grundstudium irgendwie durchwurschteln können, fallen im ersten Examen immerhin 30 Prozent der Teilnehmer durch. Wer es endgültig vergeigt, steht nach mindestens 3-4 Jahren ohne irgendeinen Hochschulabschluss da.

– Juristen.
Natürlich gibt es nette Leute, natürlich auch Idealisten und Aktivisten und Freigeister. Dennoch bin ich manchmal wirklich schockiert, wie wenige Gedanken sich meine Kommilitonen um Umwelt und Mitmenschen machen. Manchmal vermisse ich einfach den Hippie-Öko-Spirit, den soziale Studiengänge so ausstrahlen. 😀

 

Was ich an meinem Studium liebe:

– Es ist lebensnah.
Das Meiste, was im Studium vermittelt wird, kann im Alltag von Relevanz sein oder trägt zumindest zur Allgemeinbildung bei. Ein paar mietrechtliche Kenntnisse oder Wissen über unser politisches System sind nützlich und nicht so „an der Realität vorbei“, wie man es von Jura denken könnte.

– Argumentieren, argumentieren, argumentieren.
Ich habe schon in der Schule sehr gerne diese ausführlichen Analysen geschrieben, bei denen man sich allen möglichen Quatsch aus den Fingern saugen kann, von dem dir aber in den seltensten Fällen wirklich jemand unterstellen kann, er sei inkorrekt. Das geht in meinem Studium wunderbar, insbesondere deshalb, weil es nicht „die eine richtige Lösung“ gibt.

– Die eigene Ausdrucksweise verbessert sich, zumindest im Schriftlichen, durch das ständige Üben enorm.

– Ultraseriöse Emails schreiben und mit Paragraphen um sich werfen, falls es mal notwendig ist, bereitet keine Probleme mehr. Man kennt seine Rechte und lässt sich nicht mehr so leicht über’s Ohr hauen. So hat mir mein ehemaliger Stromanbieter die 280€, die er mir unberechtigterweise abgerechnet hat, nach langem pseudojuristischen Hin und Her auch wieder zurückerstattet. Sowas bereitet echt Freude! 😀

– Freie Zeiteinteilung.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass jeder Tag im Studium genauso durchgeplant ist wie in der Schule. Ob ich mir im Bett irgendwelche Lernvideos reinziehe, von früh morgens bis spät abends in Vorlesungen sitze oder mittags ’ne Runde laufen gehe, bleibt mir überlassen. Dranbleiben muss man natürlich trotzdem irgendwie.

– Gute Jobchancen
so sagte man mir zumindest. Inwiefern das stimmt muss ich noch herausfinden, aber ich hoffe sehr, dass es sich bewahrheitet, dass Jura etwas ist, mit dem einem „alle Türen offen stehen“.

Ob ich mich nochmal für dieses Studium entscheiden würde, kann ich wahrscheinlich erst in der Retrospektive sagen. Momentan möchte ich das Examen einfach schnellstmöglich hinter mich bringen und dann endlich mal wieder aus der Routine ausbrechen und auf Reisen gehen. Und ja, ich habe schon eine lange Liste von Dingen, die ich nach dem Examen tun möchte. Aber ich glaube auch, dass sowohl der Schwerpunkt an der Uni als auch praktische Erfahrungen wirklich spannend werden können. Trotzdem sollte man sich meiner Meinung nach nicht leichtfertig auf dieses Studium einlassen, sondern am besten schon ein klares Ziel vor Augen haben.

Das stille Glück

1. Das Meer
Schon von Weitem nimmst du es wahr, seinen Duft, seine Präsenz. Es liegt vor dir, ruhig und stürmisch zu gleich und unendlich weit. Es existiert schon länger, als du begreifen kannst und erfindet sich jede Sekunde neu. Der feine Sand brennt unter deinen Füßen und lässt dich schneller laufen, immer weiter darauf zu. Du bist frei, so frei, du hast nichts Besseres zu tun; was könnte es auch Besseres geben? Die salzige Luft durchströmt dich und endlich bist du da. Du gibst dich ihm hin, es begrüßt dich rau und aufbrausend und umspült dich schließlich mit kühler Gelassenheit. Du lässt dich von ihm tragen, nimmst es mit allen deinen Sinnen wahr. Du tauchst unter, streckst dich, spürst jede Zelle deines Körpers. Du trägst das Salz auf deiner Haut nach Hause, ein stilles Andenken.

2. Die Fahrt
Tür auf, die stickige Luft schlägt dir entgegen. Es ist heiß, es fühlt sich so an, als wäre es schon immer Sommer gewesen. Als würde es für immer Sommer sein. Tür zu, neben dir wird mit einem Schlüsseldrehen der Motor gestartet. Fenster runter, auf die Autobahn, Radio ganz laut aufgedreht. Dein schiefer Gesang bringt dich selbst zum Lachen, egal, Hauptsache laut, Hauptsache lebendig. Du schließt die Augen und genießt den Fahrtwind. Es geht immer geradeaus, schneller als alle anderen, weg da, wir haben viel zu erleben! Leuchtende Wiesen und Felder ziehen an dir vorüber, du fühlst die Musik in deiner Brust, du bist dieses Lied, das Lied erzählt von dir. Von der Geschwindigkeit, der Leidenschaft, von diesem Sommer. Vom Adrenalin, das durch deine Adern strömt, als ihr nochmals beschleunigt. Den Horizont im Blick ist die Fahrt entscheidender als das Ziel.

3. Die Ungewissheit
Deine Sachen stehen seit Tagen gepackt neben deinem Bett. Du hast dir drei Wecker gestellt und bist Stunden vor dem ersten Klingeln wach. Heute ist der Tag. Ein neues Kapitel beginnt, vor dir liegt ein unbeschriebenes Blatt, nur dir überlassen. Du könntest einen neuen Namen annehmen, ein anderer Mensch sein, du spinnst herum. Am Flughafen strahlst du alle Menschen an. Es sind potentielle neue Freunde! Du wirst die Stadt erkunden; deine Stadt! Du kannst daraus machen, was du willst. Alles Schöne nimmst du mit neugierigen Augen, mit offenem Herzen in dich auf. Du wirst so viel Neues erleben, Bekanntschaften machen, Dummheiten begehen, Erinnerungen kreieren. Von hier aus ist alles möglich.

4. Der Frühling
Es ist Morgen und zum ersten Mal seit Monaten wurdest du von Vogelgezwitscher geweckt. Vor dir breitet sich ein tiefblauer Himmel aus, Sonnenstrahlen kitzeln dein Gesicht. Endlich, endlich, das Ende der grauen Tage! Eine elektrisierende Energie durchströmt dich und lässt dich jede deiner Körperzellen spüren. Dein Herz hüpft auf und ab, du kannst es nicht erwarten, loszulaufen. Du ziehst deine schönste Kleidung an, um die Sonne angemessen zu begrüßen. Es ist ein Tag für Frühstück auf dem Balkon und Spaziergänge im Park. Es ist ein Tag, der dich wie ein Kind fühlen lässt und er ist dein.

5. Die Ruhe
Du fällst aus dem Trubel heraus und landest in einer Seifenblase; Geräusche sind gedämpft, nichts dringt mehr zu dir durch. Du atmest den Duft von Lavendel, schließt die Augen, lehnst dich zurück in weiche Kissen. Der Tee wärmt dich von innen und Ruhe breitet sich in dir aus. Nichts mehr tun, leisten, erklären müssen. Für den Moment die Stille genießen und wissen, dass das alles ist, was gerade zählt. Zum ersten Mal innehalten und zu Atem kommen. Sich zurückziehen und vielleicht auch die Decke über den Kopf; die Augen schließen und spüren, wie sich der Herzschlag wieder verlangsamt. Bei dir sein und bleiben, alles andere aussperren, ankommen.

Sonntagsdepression

„Wenn ich am Wochenende abends weggehe, bin ich am nächsten Tag immer so unglücklich, ich weiß auch nicht…“
– „Joa, Sonntagsdepression, ne?!“

Von dieser Symptomatik, die mir mit solcher Selbstverständlichkeit entgegengeschleudert wurde, hatte ich zuvor noch nie etwas gehört. Doch da ich auch bei Google zu dieser Wortschöpfung über 2.000 Ergebnisse fand, scheint das Problem bekannt und irgendwie weiter verbreitet zu sein, als gedacht. Sonntags ist man halt deprimiert. Das ist ja auch kein Wunder, schließlich geht es montags wieder zur ungeliebten Arbeitsstelle, in der Schule Zeit absitzen oder sich den Kopf mit unnützem Wissen vollhauen. Es besteht also Grund genug, in eine mittelschwere Depression zu verfallen.

Davon abgesehen, dass eine Depression nicht mit einem Tag voller schlechter Laune gleichzusetzen ist, finde ich dieses „Konzept“ der Deprimiertheit vor dem Beginn einer neuen Woche selbst und den gesellschaftlichen Konsens, der dazu besteht, ziemlich beängstigend. Natürlich ist es schön frei zu haben und nicht jeder hat das Glück, seinen Traumjob auszuüben, schon klar. Aber sich nur auf das kurzzeitige (berauschte) Verdrängen der Arbeitswoche zu freuen und sich ein ein Siebtel seiner Lebenszeit für’s deprimierte Rumliegen aufzuheben scheint mir für ein glückliches Leben nicht besonders förderlich.

Bei mir selbst tritt das Problem tatsächlich nur nach dem ein oder anderen Glas zu viel auf. Nach oberflächlichem Googeln stellt sich mir die Erklärung in etwa so dar: Alkohol besetzt die Plätze an den Rezeptoren im Gehirn, wo sonst die Botenstoffe Serotonin und Dopamin andocken. Dadurch kommt es zunächst zu einem Überschuss an diesen Botenstoffen im Gehirn. Mit dem Alkoholabbau werden vermehrt wieder Rezeptoren frei, die von den Botenstoffen besetzt werden, so tritt ein Mangel an diesen im Gehirn ein. Gut, das ergibt irgendwie Sinn.

Anscheinend ist die Sonntagsdepression aber nicht nur an den Kater nach der Partynacht geknüpft; generell blicken wir der nächsten Woche eher skeptisch entgegen. Montage sind wohl einfach nicht so toll. Oder ist es das Leben insgesamt nicht?
Ich denke eigentlich wissen wir alle, dass der Montag, der uns nun auch noch den Sonntag versaut, nicht besser oder schlechter ist als jeder andere Tag. Es kommt wie immer darauf an, was wir daraus machen. Vor allem ist es doch wirklich schade, sich auch die Zeit, in der man machen kann, was man möchte, noch mit Gedanken an die Arbeit zu vermiesen.

Mir selbst fällt das Abschalten nach einem langen Lerntag auch ziemlich schwer, umso wichtiger finde ich es, sich einen kompletten Tag Pause zu gönnen; einen Tag, an dem man sich Zeit für Dinge nimmt, die man gerne macht und möglichst keinen einzigen Gedanken an das verschwendet, was einen runterzieht. Das könnte ja der Sonntag sein, aber auch nur dann, wenn man sich keinen akuten Mangel an Glückshormonen angetrunken hat. Am schönsten ist es doch, gemütlich auszuschlafen und danach Energie für Unternehmungen zu haben, die über Netflix und Pizza bestellen hinausgehen.
Wenn der Unmut über den nahenden Montag trotzdem noch im Kopf umherschwirrt, könnte man sich für diesen Tag ja auch etwas Schönes vornehmen, auch, wenn es nur eine Kleinigkeit ist. Und für Dienstag und Mittwoch ebenso. Dann muss man sonntags zur Abwechslung mal weder wegen der samstäglichen Partynacht noch wegen des neuen Wochenbeginns deprimiert sein. 🙂

Die Gewohnheit: der Motor, die Angst: das Benzin

Eigentlich steht uns ja alles offen. Sind wir nicht jung und frei und schön? Sich das Leben in den buntesten Farben ausmalen, nach der Schule. Zuerst natürlich in Reihen sitzen, in Reihenhäusern wohnen. Aber dann!

Irgendwann das Café auf Bali, ganz sicher, zumindest ein Jobwechsel, was Kreatives, gerne. Eine eigene Werkstatt oder auswandern nach Neuseeland. Aber jetzt noch nicht, nein, erst das Studium abschließen, dann Rücklagen bilden, dann zusehen, dass die Kinder nicht dazwischengrätschen. Am Lebenslauf feilen, Lücken fein säuberlich schließen.

Dann mit einer Freundin zusammensitzen und darüber nachdenken, wie wäre das, wenn ich wirklich losgegangen wäre? Aber jetzt nicht, erstmal die Raten für das Haus abzahlen, wer gießt denn dann die Blumen und auf meinen Kleiderschrank könnte ich sowieso nie verzichten. Oh, so spät schon?

Dabei rüberschielen auf die Tische der anderen, deren Kleidung begutachten, warum sprechen sie so laut? Was, noch eine Flasche Wein? Kein Egoist sein, Verantwortung für andere übernehmen. Wie Schuhe aus Blei, darin lassen sich keine Sprünge tun. Aber das ist doch gut so; sicher am Boden bleiben. Das ist doch angenehm, verschafft Ansehen. Etwas geleistet haben werden.

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Vor ein paar Tagen wurde eine unbestimmte Angst, die ich seit Längerem spüre, greifbarer. Es gibt nämlich ein Lied, das sie ganz gut beschreibt: Die Straßen unseres Viertels von Kettcar, worauf sich auch die Überschrift dieses Textes bezieht. Auf einmal konnte ich in Worte fassen, was mich seit über zehn Jahren mal mehr, mal weniger stark beschäftigt: Die Angst davor, es nicht zu tun. Konform zu bleiben, den einfachen Weg zu nehmen. Ich glaube wirklich, dass ich das Gefühl, auch, wenn es meist sehr subtil ist, als Angst beschreiben kann, denn es kommt mit allen seinen Symptomen.

Ich habe Angst davor, irgendwann an einem Punkt zu stehen und nicht zu wissen, wie ich dort hingelangt bin. Davor, zu viele Kompromisse gemacht zu haben, nicht das Leben gelebt zu haben, das ich mir ausmale, wenn es heißt du hast eine Chance, wie nutzt du sie? Davor, meine Leidenschaften nicht verfolgt oder gar nicht erst kennengelernt zu haben, vernünftig geblieben zu sein, mich von Materiellem festbinden lassen zu haben.

Ich wohne in einer ganz hübschen Wohnung in einem ansehnlichen Viertel einer deutschen Großstadt, ich studiere etwas Vernünftiges. Mein Studentenleben entspricht in keinster Weise dem WG-Partys-und-Kühlschrank-leer-Klischee. Wenn ich anfange zu träumen, verschiebe ich das momentan lieber auf später, auf die Zeit nach dem Examen.
Trotzdem bin ich noch immer jemand, der Neues liebt, keine Reise auslässt. Und doch ist da die Angst davor, dass mich die Normalität langsam einhüllt, dass ich irgendwann der Bequemlichkeit endgültig nachgebe und nicht mehr nach etwas greife, was nicht unmittelbar vor mir hängt. Dass ich einfach tue, was man im entsprechenden Alter tut.

Und dann hat das Ganze auch eine Kehrseite: Nur machen, um nicht untätig zu bleiben? Handeln aus Trotz und aus falschem Stolz? Wegen irgendwelcher aufgeschnappter und aufgebauschter Geschichten? Will ich das denn überhaupt oder will ich nur nichts bereuen müssen?

Die einzige Lösung? Augen zu, Hirn auf Autopilot und trotzdem los. Ein bisschen weniger auf andere hören und ein bisschen mehr hinter die Kulissen des ganzen Theaters schauen. Aus seinen Fehlern lernen und der Angst mit Mut begegnen. Sich an seinen früheren Taten ein Beispiel nehmen. Wie damals, als ich mit 19 zum ersten Mal alleine mit dem Rucksack aufgebrochen bin. Vor Abflug konnte ich vier Nächte lang vor Aufregung kaum schlafen. Kurze Zeit später stand ich an der Atlantikküste (übrigens genau dort, wo das Titelbild aufgenommen wurde) und war einfach nur frei. Ich glaube, wer Abenteuer nicht aufgibt, der lässt sich von Gewohnheiten und gesellschaftlichen Erwartungen nicht einfangen. Es bedarf nur ab und zu einer kurzen Erinnerung: Eine zweite Chance gibt es leider nicht.

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Und die Straßen unseres Viertels
Sind nichts für Versager
Nichts für Entschuldigungen
Die anfangen mit „Hätte, wenn, und aber“
Und der Bio-Supermarkt
Ist nichts für Schwächlinge
Unsere Pâtisserie und das Weindepot
Nichts für Schwächlinge

Und sie reden von Freiheit
Und es klingt nach [’ner Drohung?]
Also dann Rückzug
Zurück in die neue Altbauwohnung
Und der ewige Anspruch
Und sich ständig vergleichen
Wir haben ein Leben Zeit
Ein Leben, und das muss dann auch mal reichen

Und die Zukunft, sie leuchtet so ultramarinblau
Nur sie leuchtet immer woanders
Die Gewohnheit: der Motor, die Angst: das Benzin
(Und wir beide, woanders)
Und irgendwann, irgendwann hier wegziehen
(Bleib‘ bei mir, bleib‘ bei mir)
Bleib‘ bei mir

Wir haben schließlich vereinbart
Alles zu vereinbaren
Leben, Liebe, Beruf
Und dann bitte Schein wahren
Den allercoolsten Freundeskreis
Jeden Tag Sex:
„Bringst du heut‘ die Kinder, bitte?“

(Ich kann‘ nicht mehr)

Und die perfekte Brut
Das Helikopterkreisen
Es ist solange gut
Wie wir im Winter verreisen
Können Geschichten erzählen
Ganz egal, ob es so war
Burnout vom Yoga

(Und irgendwann hier wegziehen
Und bleib‘ bei mir
Und irgendwann hier wegziehen)
Und die Zukunft, die leuchtet ultramarin
Und wir wissen es beide: immer woanders
Gewohnheit: der Motor, Angst: das Benzin
Und wir werden nie hier wegziehen

Vegan in Berlin

Seit ich vegan lebe, tue ich ab und zu Dinge, an die ich vor diesem Lebenswandel (ich glaube das trifft es besser als „Ernährungsumstellung“) keinen Gedanken verschwendet hätte. Nicht nur versetzt mich der Gedanke an eine neue Eissorte oder ein neues veganes Restaurant in meiner Stadt mehr in Aufregung, als es jedes Essen der Welt früher vermochte. Nein, mittlerweile bin ich so weit, dass ich meine Reiseziele unter anderem nach dem veganen Essensangebot auswähle.
In dieser Hinsicht ist die deutsche Hauptstadt besonders sehenswert, weshalb mein Freund und ich, obwohl uns die sonstigen bekanntesten Sehenswürdigkeiten nicht mehr besonders lockten, Ende Oktober ein paar Tage in Berlin verbrachten. Das Ziel: So viele Restaurants testen wie möglich!

Eigentlich erst auf diese Idee gebracht hat uns die Eröffnung der Snackbar von Kochbuchautor Attila Hillmann in Charlottenburg. Direkt am ersten Abend wurden dort Burger und zahlreiche Nachspeisen getestet. Nach längerem Zögern entschied ich mich für einen griechisch angehauchten Burger mit Minzpesto, was ich sofort bereute, weil er leider wirklich ausschließlich nach Minze schmeckte. Der Thai-Burger von meinem Freund war deutlich leckerer, aber das Highlight war definitiv die Nutwave-Torte. Aus Forschungszwecken musste alles ausprobiert werden, daher bestellten wir Softeis, Schokomousse und besagtes Stück Torte.
Es war unfassbar lecker, aber auch so riesig und mächtig, dass wir es uns einpacken ließen und noch weitere drei Tage sprichwörtlich daran zu knabbern hatten. Alles in allem kehrten wir vollgestopft, aber ein wenig ernüchtert in unsere Wohnung zurück.

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Mein absoluter Favorit war das Sfizy Veg, für dessen Pizzen wir eine gute halbe Stunde durch die Kälte fuhren und liefen. Laut Internetseite ist der Laden die erste vegane Pizzeria in ganz Europa!
Zwei Wörter: hausgemachter Blauschimmelkäse. Mit Birnen, auf knusprigem Pizzateig. Die zweite Pizza war eine Capricciosa mit Cashewkäse,  ebenfalls ein Traum. Vielleicht lag es auch an der Erleichterung, nach dem langen Fußweg von der Bahnstation endlich im warmen, gemütlichen Restaurant anzukommen, aber jeder Bissen war wirklich fantastisch, und ich neige normalerweise nicht zu Übertreibungen oder emotionalen Ausbrüchen. Diese Pizza war solch einen Ausbruch aber allemal wert. 😀
Das Restaurant ist klein und originell eingerichtet, an den Wänden gibt es viel zu entdecken, was eine besondere Atmosphäre schafft. Aber viel wichtiger ist doch, dass es, wenn auch nur in einer kleinen Pizzeria am Rande von Berlin, veganen Käse gibt, der wirklich, wirklich gut schmeckt.

Dieses Bild wird dem Geschmack nicht ansatzweise gerecht.

Durch den strömenden Regen rannten wir zu Brammibal’s Donuts, das ganz oben auf meiner Liste stand. Tür auf, Haare aus dem Gesicht, erstmal Donutduft einatmen. Als die Brille nicht mehr ganz so beschlagen ist erstmal die Lage checken. Es ist brechend voll, kein Sitzplatz mehr zu haben. Irgendwie ist es auch leer, schlicht und modern halt, wenig Deko, nur ein paar Donutanstecker an der Kasse, zum Verkauf. Alles in allem ist es sehr Hipster, sehr Berlin, offensichtlich ein Ort, an dem so einige Instagramfotos entstehen.
Irgendwann werden zwei Plätze frei, die Hände werden wieder warm. Die Donuts schmecken lecker, fluffig und zuckrig, wie Donuts eben schmecken. Irgendwie fehlen im echten Leben aber die bunten Filter und die ach so inspirierenden Captions.
Note to myself: Kein Donut der Welt, sei er noch so bunt oder schokoladig, wird deinen aufgebauschten Instagramerwartungen gerecht.

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Ein leichtes Mittagessen gab es, auf Empfehlung von Zucker und Jagdwurst, bei Momo’s in Mitte: Dumplings mit vier verschiedenen Füllungen und drei Dips. Dort werden ausschließlich vegetarische und vegane Teigtäschchen, gedämpft oder gebraten, mit ein paar Beilagen wie Edamame serviert. Lecker, schönes und simples Konzept, auf jeden Fall ein guter Tipp für auch für Vielbeschäftigte, die einen schnellen, leichten Snack brauchen. Außerdem waren die Dumplings eine willkommene Abwechslung zum Burger-und-Eis-Rausch.

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gebratene und gedämpfte Dumplings

Einen weiteren Stopp legten wir beim vegetarischen Metzger ein. Zwar hatte ich mir darunter eher, naja, eben einen Metzgerladen mit Aufschnitt hinter der Theke vorgestellt, aber das süße Bistro, das es letztendlich war, hatte auch was. Der Typ hinter der Kasse verbreitete total gute Laune und die zahlreichen Plüschwürste trugen ihren Teil zur Atmosphäre bei. Dazu gab es leckeres veganes und vegetarisches Fast Food – für uns Shawarma und einen richtig guten Burger. (Der auch für die erste Berliner Burgerenttäuschung entschädigte…)
Das Highlight dieses Abends folgte jedoch später: Das Improvisationstheater vom Theatersport Berlin brachte mich so sehr zum Lachen wie schon lange zuvor nichts mehr. (Womit ich nicht sagen möchte, dass ich nie etwas zu Lachen habe. :D)

Am letzten Abend wollten wir nochmal wissen, was Berlin so an „Ungewöhnlicherem“ veganen Essen zu bieten hat. Dazu zog es uns nach Wedding ins tamilische Restaurant Naveena Path. Aus jedem Land, in das ich gereist bin, nehme ich grundsätzlich eine ab und zu wiederkehrende Sehnsucht nach der Landesküche mit und für Sri Lanka gilt das besonders stark.
Das Restaurant ist nicht vegetarisch oder vegan, aber auf der Karte gibt es zahlreiche vegane Gerichte und ab und zu wird sogar ein veganer Brunch veranstaltet. Ich bestellte ein Gericht, das ich sonst so noch nie gegessen hatte – Jackfruit Tikka. Ich finde es echt super, wenn Restaurants solche „Standardgerichte“ kreativ vegan abwandeln und wurde auch geschmacklich überhaupt nicht enttäuscht. Die Atmosphäre war lebhaft, aber trotzdem gemütlich und irgendwie einfach authentisch; nicht herausgeputzt, sondern von einer überzeugenden Einfachheit.

Alles in allem ist Berlin auf jeden Fall eine vegan-kulinarische Reise wert; je nach Belieben kann man sich fabelhaft mit Süßem und Fast-Food vollstopfen, Sterne-Küche genießen oder rohvegane Speisen und kaltgepresste Säfte zu sich nehmen. Für mich macht’s am Ende immer noch die Mischung. 🙂

17 Lektionen aus 2017

Ein Jahr, 365 Tage. Was von Natur aus selbstverständlich seinen Sinn hat, ist mit Blick auf ein Menschenleben eigentlich völlig willkürlich – wir entwickeln uns nicht linear, das wäre auch viel zu einfach. Unser Leben lässt sich nicht fein säuberlich in Abschnitte unterteilen. Und wir tun es trotzdem, mit großem Vergnügen sogar. Wozu sonst die ganzen Vorsätze und Resümees, die Blogs und Notizbücher zieren?

Auch ich liebe das: bewusst mit etwas Altem abschließen und etwas Neues beginnen; mit dem Bewusstsein, dass jetzt vielleicht nicht alles besser wird, aber dass ich mir Zeit zum Nachdenken genommen habe. Über die Vergangenheit und die Zukunft, über das, was ich gelernt habe und das, was ich erreichen will. „Zwischen den Jahren“ ein bisschen im luftleeren Raum seinen Gedanken nachhängen und eine Bestandsaufnahme machen. Was ist, was kann weg, was soll bleiben?

Auch meine 17 Lektionen passen nicht nahtlos in das Jahr 2017, ich glaube, dafür sind sie teilweise zu groß; teilweise sind sie aber auch furchtbar simpel. Es sind einfach Dinge, die mir (immer wieder) bewusst geworden sind und die ich gerne festhalten möchte, vielleicht auch, um im neuen Jahr weiter daran anzuknüpfen.

1. Etwas wegzugeben kann genauso viel Spaß machen, wie etwas zu erhalten. Etwas nicht zu brauchen, kann sehr erleichternd sein.
2. Es sind die Dinge, die man regelmäßig tut, die Veränderungen und Erfolge bringen, nicht die, die man einmal exzessiv ausübt. Stichwort: Gewohnheiten!
3. Sich einer Gruppe zuzuordnen ist gar nicht so erstrebenswert (bezogen auf Personen oder gewisse Eigenschaften); Menschen, die Überraschungen bereithalten, sind interessant.
4. Ein bisschen Gemütlichkeit macht in jeder Hinsicht sehr viel aus.
5. Du weißt oft nicht, was du hast, bis du es los bist. Das gilt auch für Negatives! Deshalb sollte man öfter mal innehalten und den Istzustand hinterfragen.
6. (Harmlose) Verhaltensmuster in anderen zu akzeptieren, auch, wenn man sie nicht verstehen kann, bringt innere Ruhe.
7. Ohne genug Schlaf geht einfach nichts.
8. Ohne ein bisschen Aufregung und ein paar Abenteuer hier und da aber auch nicht.
9. Meine Mutter hatte recht (obwohl ich mich als Kind oft gesträubt habe): Täglich 30 Minuten an der frischen Luft müssen sein.
10. Konzentriere dich auf das, was dich glücklich macht. Ein gutes Indiz ist die Tatsache, dass du es schon als Kind gerne gemacht hast.
11. Immer, immer, immer direkt aufräumen. 😀
12. Nervige Wartepausen lassen sich gut zum Durchatmen nutzen. Mehr im Moment zu leben verlängert übrigens das Leben, auf jeden Fall zumindest gefühlt.
13. Unbekanntem sollte man eine faire Chance geben. Oft ist man sich seiner Vorurteile gar nicht so bewusst.
14. Zweimal pro Woche Haare waschen reicht locker aus (und die Haare werden nicht so stark geschädigt).
15. Streit über Whatsapp auszutragen ist noch blöder, als das von Angesicht zu Angesicht zu tun.
16. Gute Laune ist so, so ansteckend, selbst wenn sie zuerst nur gespielt ist. Spread that sh*t like peanut butter. 😀
17. Stress hat viel mit der eigenen inneren Einstellung zu tun. In der gleichen Situation können zwei Menschen völlig gelassen oder völlig gestresst sein. Das Gute, auch wenn du  (wie ich) eher letzterer bist: es lässt sich daran arbeiten.