Allgemein

Wenn ich Rebellin wäre

Ich trage die Rebellion mit und in mir und mit jedem Schritt geht etwas verloren. Versickert einfach im Sand unter meinen Füßen, verflüchtigt sich in der Luft.

Generation Apathie, zwischen den Welten geboren. Eine Prise Staub von gestern und die vage Ahnung von einem schillernden Morgen. Zu viel auf einmal, nehmen nur langsam Schwung auf, wenn überhaupt. Sind nicht schäumend und rotierend auf die Welt gekommen, sondern oh so behütet. Gebremst von der Schwere der Welt. Ziehen jetzt mit, irgendwie. Und wissen doch immer noch nicht, was tun, wie funktioniert das alles.

Ist Rebellion für uns nur ein Begriff aus der Zigarettenwerbung?

Ich trage Samen im Herzen, die ich nie säe, weil immer alles anstrengend ist. Weil mir sonst die Zeit fehlt, um mich zu beweisen. Und beweisen müssen wir uns wie nie, online und offline. Tag und Nacht. Was soll sonst aus uns werden. Wann soll ich denn so zum Gießen kommen? Rebellion braucht Luft, um zu gedeihen.

Luft, und Zeit, und Gemeinschaft. Und Sinn, den ich vor lauter Problemen nicht sehe wie den Wald vor Bäumen. Dabei ist er gerade nötiger denn je.

War immer Fan, habe innerlich immer mitgeschrien, aber im Außen versagt mir die Stimme. Nicht komplett mutlos, aber angepasst. Tröste mich mit dem Gedanken, Komplizin zu sein, Backstage mitzuhelfen. Während meine alten Vorbilder verwittern, als hätten sie es auch nicht besser gewusst.

Was bleibt: die Gedanken, die Hoffnung, der anderen wegen, und trotz allem auch die Möglichkeiten. Immer.

Bildnachweis: Jan Kopřiva via pexels.com

Gedanken, Persönliches

Ein langgehegter Traum

Die Flut an Informationen, die aus verschiedenen Bildschirmen auf mich einströmt, deckt sich nicht mit meinem Empfinden. Viel passiert da draußen, aber ich sehe es nicht. Ich bin hier, in meinem Kokon, seit über einem Jahr. Vorsichtig dosierte Kontakte, vermehrte Rückzüge ins Elternhaus, freundliche Gesichter auf ebendiesen Bildschirmen. Die immer gleichen Wege. Alles gut, zum Glück, welch ein Privileg. Aber doch alles so wahnsinnig, wahnsinnig gedämpft.

Dabei bewege ich mich auch, bin in diesem halbherzigen Dauerlockdown bereits (zweimal) umgezogen. Und denke ehrlich gesagt schon wieder ans Weglaufen, aber weiß, dass mich woanders kaum mehr erwartet. Dass ich nicht mal wirklich angefangen habe, hier anzukommen. Also bleibe ich und warte ab. Vertreibe mir die Zeit mit Büchern, ein paar vagen Träumen und vor allem mit Arbeit.

Außerdem höre ich Musik, insbesondere spanischsprachige. Und die weckt weitere Träume, solche, die ich schon lange geträumt habe, eine Zeit lang unter Auswendiggelerntem und Alltagsproblemen verschüttet. Aber sie sind noch immer präsent, klopfen stetig an und monieren – zu recht – die unverschämte Missachtung.

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Gedanken, Psyche

Warum ich das Klettern liebe

Geklettert bin ich schon immer. Als Kind schwindelfrei auf die höchsten Bäume, Klettergerüste rauf und runter, mit meinem Vater und meinem Bruder in der Boulderhalle. Wenn es für jede Person eine Bewegungs- oder Sportart gibt, die ihr Energie und Freude gibt, dann ist es für mich das Klettern. Schon klar, es ist auch einfach ein extrem gehypter Sport. Aber – zu recht! Auch für mich ist es einfach eine der besten Beschäftigungen, der man im Leben so nachgehen kann. Hier sind einige der Gründe dafür.

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Gedanken, Psyche

Die Planer und die Planlosen

Kannst du die Frage, wo du dich in fünf oder zehn Jahren siehst, beantworten? Weißt du genau, wo du hinwillst und verfolgst dieses Ziel mit Leidenschaft? Herzlichen Glückwunsch! Oder eher herzliches Beileid?

Ich glaube es gibt, vereinfacht gesagt, zwei Arten von Menschen: die, die ihre Zukunft planen und die, die alles auf sich zukommen lassen. Erstere stecken sich Ziele: sie möchten erfolgreiche Autor*innen oder Anwält*innen werden, sich selbstständig machen, auswandern oder eine Familie gründen. Vielleicht auch alles auf einmal, hey, warum nicht. Letztere können sich nicht festlegen oder wissen einfach noch nicht, wohin das Leben sie führt. Sie lassen sich Zeit und sie lassen sich treiben. Es wird sich schon alles ergeben.

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Gedanken, Rezensionen

Kürzlich gelesen

Lange habe ich nicht mehr über Bücher geschrieben. Das liegt nicht daran, dass ich nicht gelesen hätte – aber vielleicht zum Teil an der Tatsache, dass ich mich seit über einem Jahr(!) durch „Krieg und Frieden“ wurschtle. Doch das Ende ist nah und mittlerweile bin ich auch wieder mit Freude dabei. Wie dem auch sei, in den Krieg-und-Frieden-Pausen der letzten Wochen und Monate habe ich ein paar weitere Bücher zu Ende gelesen, die ich euch heute vorstellen möchte.

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Gedanken, Persönliches

Ein Frühlingstraum

Es wird wieder wärmer, das spüre ich. Kein Zweifel, es ist Frühlingsluft, die da sanft über meine Haut streicht. Zwei Frauen lachen laut, irgendwer raucht einen Joint. Farbenfrohe Erinnerungen werden langsam präsenter, als hätte ich sie aus dem Winterschlaf erweckt. Und wie ich in der Abenddämmerung durch die Straßen radle, fühle ich mich so frei wie schon lange nicht mehr. Ein Gemisch aus Sehnsucht und Vorfreude breitet sich in meiner Brust aus. Ein erhebendes Gefühl.

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Gedanken, Gesellschaft

Astro-logisch? Warum wir in den Sternen nach Antworten suchen

Ich bin bin relativ faul, aber arbeite zugleich effektiv. Denn die Sonne stand während meiner Geburt im Zeichen des Stiers. Wegen meines Aszendenten, Krebs, verhalte ich mich meist sozial. Merkur und Venus in Zwillinge hingegen sorgen für Geselligkeit, eine schnelle Auffassungsgabe und eine gewisse Rastlosigkeit.

Echt jetzt?

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Gedanken, Psyche

Gastbeitrag: Was fehlt

Ich binde mir die Schuhe, suche mir ein Paar Handschuhe, vielleicht setze ich noch eine Mütze auf und begebe mich raus in die Kälte. Laufen gehen ist in diesen Tagen eine der wenigen sinnvollen Beschäftigungen, der man abseits von Arbeit und Einkaufen außerhalb der Wohnung nachgehen kann. Ich laufe los, spüre die Kälte, bin fast schon in meinem üblichen Trott und denke über die Belanglosigkeit unserer Zeit nach, da höre ich wie Partymusik aus einem vorbeifahrenden Auto dröhnt. Und plötzlich wieder: Flashback!

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Gedanken, Psyche

Stille Wasser und so.

Alle reden um mich herum. Alle sind laut, fröhlich, schlau und cool. Und ich bin gerne dabei, höre gerne zu. Aber ich sollte auch etwas sagen, denke ich. Etwas Schlaues und Cooles. Etwas das zeigt, hey, sie gehört dazu; sie ist kein Fremdkörper in dieser Gruppe, kein Eindringling. Meine Worte dürfen mich nicht enttarnen als jemanden, der sich nur als eine von ihnen ausgibt. Aber still zu bleiben ist ebenfalls keine Option. Schweigen ist nicht cool. Es wirkt nicht schlau. Also zerbreche ich mir den Kopf über schlaue und coole Phrasen. Ich habe eine Idee, ich verwerfe sie wieder. Nicht zu viel Angriffsfläche bieten, sich bloß nicht blamieren. Aber trotzdem etwas sagen, jetzt. Nur was?

Zu Grundschulzeiten war ich ein ziemlich vorlautes Kind, schnell gelangweilt und immer mit einem blöden Spruch auf den Lippen. Als Teenager war das anders. In großen Gruppen blieb ich lieber still, beobachtete und vermied es, Aufmerksamkeit zu erregen. Angestrengt nach Worten zu suchen und am Ende doch zu schweigen, diese Situation kenne ich nur zu gut.

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Gedanken, Gesellschaft

internalisierter Kapitalismus, Baby

Ich bin gerne produktiv. Aufgaben abzuhaken gibt mir ein unglaublich positives Gefühl. Ich mag es, fleißig zu sein, möchte alles möglichst gut erledigen und arbeite eigentlich immer an irgendeinem größeren oder kleineren Projekt.

Aber ab und an fällt es mir schwer, zu pausieren, auch, wenn ich gerne möchte. Und ich weiß, dass ich da nicht die Einzige bin. Dass auch andere Menschen sich schon mal einen leichten Infekt herbeigewünscht haben, um endlich einen Grund zum Ausruhen zu haben. Manchmal frage ich mich, warum mir das Abschalten und Nichtstun so schwer fällt. Ist das einfach meine Art? Oder sind es die äußeren Umstände, die mich so umtriebig machen? Möchte ich gerade arbeiten? Oder habe ich nur das Gefühl, dass ich es tun muss – für den Lebenslauf, gegen das schlechte Gewissen?

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