Gedanken, Nachhaltigkeit, Psyche

Konsumglück

Ich kaufe gerne Sachen. Wenn ich auf „jetzt bestellen“ klicke oder einen Gegenstand persönlich als meinen entgegennehme, schlägt mein Herz ein bisschen höher. Ich freue mich wie ein Kind darüber, mir die Sache zuhause nochmal anzuschauen und sie zum ersten Mal zu tragen oder zu benutzen.
Das ist bestimmt kein ungewöhnliches Geständnis, ich glaube wie mir geht es den meisten von uns. Selbst der absolute Shopping-Hasser wird zugeben müssen, dass es ein schönes Gefühl ist, etwas Neues zu erhalten – im besten Fall ohne sich vorher durch überfüllte Einkaufsstraßen quälen zu müssen. Zudem wird uns von der Werbung ja auch immer wieder suggeriert, dass uns dieser eine Gegenstand glücklicher, schöner und zufriedener machen wird, dass wir ihn brauchen oder ihn uns gönnen dürfen.

Und obwohl dieses Glücksgefühl so angenehm ist, habe ich meine Probleme damit. Ich weiß nämlich, dass es nicht von Dauer ist, so schnell wie es auftaucht, verschwindet es auch wieder und die aufregende neue Sache wird gewöhnlich, eine von vielen, die in unseren Schränken liegt. Irgendwie ist der Kick weg. Also muss etwas Neues her.

Ich bin beileibe kein Shopaholic, der sich Hals über Kopf für ein paar High Heels in den Ruin stürzt oder aufgrund der anderweitigen Ausgaben nach der Hälfte des Monats kein Geld mehr für Essen hat. Eher bin ich das Gegenteil, mehr oder weniger vernünftig und zurückhaltend mit meinen Ausgaben. Außerdem versuche ich, möglichst nachhaltig zu leben, nicht zu viele Ressourcen zu verschwenden und Unternehmen mit dubiosen Standards und Arbeitnehmerregulatorien nicht zu unterstützen. Vielleicht gefällt es mir gerade deshalb nicht, dass sich mein Herz an all diesen materiellen Dingen so erfreut.

Oft habe ich nämlich das Gefühl, dass Konsum für uns zum Ersatz wird. Wir kaufen ein, wenn wir etwas dringend brauchen, doch dabei handelt es sich nicht um die achte Jeans oder das Top mit dem Paillettenkragen, sondern einfach um ein gutes Gefühl. Wir wollen Beschäftigung, Zuneigung, Unterhaltung, Anerkennung und wir bekommen stattdessen ein Paket vom Onlinehändler unserer Wahl. Das gute Gefühl ist da, doch es ist, wie die erworbene Ware, nicht nachhaltig, es ist eine Mogelpackung. Eine Prise schlechtes Gewissen bleibt. War das jetzt wirklich notwendig?

Dabei ist oft nicht einmal der Wert der Sache wirklich entscheidend, freue ich mich über gebrauchte Kleidung vom Flohmarkt doch genauso wie über teuren Schmuck. Trotzdem möchte ich mich bewusst dazu entscheiden, meine Zeit nicht mit dem Durchsuchen von Onlineshops zu widmen, wenn ich Langeweile habe, sondern mein persönliches Glücksgefühl auf andere Art und Weise herbeizuführen. Denn, ganz ehrlich, schlägt euer Herz nicht auch höher, wenn ihr euch mit guten Freunden unterhaltet, etwas selbst erschafft oder etwas Neues lernt? An diese Dinge werden wir uns garantiert öfter mit Freude erinnern als an die neue, alte Hose, die so ein Schnäppchen war. Und das schlechte Gewissen bleibt auch aus. 🙂

2 Gedanken zu „Konsumglück“

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