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Jurastudium – spannend oder staubtrocken?

Wie ich immer mal wieder bereits anklingen lassen habe, befinde ich mich gerade in der Vorbereitung für das erste juristische Staatsexamen. Dieser Sommer wird – so traurig es auch ist – vorrangig in der Bibliothek und am Schreibtisch verbracht werden, weil von Mai bis Ende August die entscheidenden Klausuren anstehen. Und auch damit ist es noch nicht getan, die mündliche Prüfung wird nämlich erst 5 Monate nach der letzten schriftlichen absolviert und so lange lassen auch die Ergebnisse auf sich warten. So richtig schön ist das nicht und schon seit einigen Monaten macht sich vermehrt Stress und teilweise auch etwas Panik breit.

Mit meinem Studium verbindet mich eine Hassliebe; oft genug habe ich schon an meiner Wahl gezweifelt, dann aber auch wieder Spaß am Schreiben und Argumentieren empfunden. Weil ich auf Listen stehe, gibt es hier meine persönlichen Vor- und Nachteile in Listenform. Für Fragen bin ich natürlich auch jederzeit offen. 🙂

Was an meinem Studium so richtig nervt:

– Stress, Druck, Panikmache.
Manchen setzt die Examenszeit mehr zu und manchen weniger, aber das Gefühl, dass die komplette berufliche Zukunft von sieben mehr oder weniger zufälligen Prüfungen abhängt, ist alles andere als beruhigend.

– Konkurrenzkampf.
Ich muss sagen, dass mir die geschwärzten und herausgerissenen Seiten in der Bibliothek noch nicht untergekommen sind. Dennoch ist die Atmosphäre bei uns meiner Meinung nach nicht die entspannteste.

– Praxis bleibt außen vor.
Gruppenarbeiten, Referate, Übungen? Fehlanzeige. Dadurch gestaltet sich das Studium auch nicht besonders sozial. So bleibt auch nach längerer Zeit eine gewisse Anonymität unter den Studierenden erhalten.

– Das Grundstudium ist quasi irrelevant – vier oder mehr Semester… naja, nicht umsonst, aber nichts, was man konkret in der Hand hätte.

– Bis die einzelnen Themen und Rechtsgebiete in ihrem Gesamtzusammenhang einigermaßen verstanden werden, können Jahre vergehen. Ich persönlich habe erst in der Examensvorbereitung angefangen, einen Überblick über die Verknüpfungen zu gewinnen und habe dasselbe schon von vielen anderen gehört.

– Die lange (!) Examensvorbereitung.
Ja, ich lerne seit über einem Jahr. Ach, du kannst dir das nicht vorstellen? Erzähl mir mehr. Du könntest nie im Leben so diszipliniert sein? Glaub mir, ich bin jemand, der immer nur das Nötigste getan hat, aber „das Nötigste“ ist in diesem Fall eben eine monatelange Vorbereitung. Yep, fände ich anders auch cooler.

– Ausgesiebt wird zum Schluss.
Während sich die allermeisten durch das Grundstudium irgendwie durchwurschteln können, fallen im ersten Examen immerhin 30 Prozent der Teilnehmer durch. Wer es endgültig vergeigt, steht nach mindestens 3-4 Jahren ohne irgendeinen Hochschulabschluss da.

– Juristen.
Natürlich gibt es nette Leute, natürlich auch Idealisten und Aktivisten und Freigeister. Dennoch bin ich manchmal wirklich schockiert, wie wenige Gedanken sich meine Kommilitonen um Umwelt und Mitmenschen machen. Manchmal vermisse ich einfach den Hippie-Öko-Spirit, den soziale Studiengänge so ausstrahlen. 😀

Was ich an meinem Studium liebe:

– Es ist lebensnah.
Das Meiste, was im Studium vermittelt wird, kann im Alltag von Relevanz sein oder trägt zumindest zur Allgemeinbildung bei. Ein paar mietrechtliche Kenntnisse oder Wissen über unser politisches System sind nützlich und nicht so „an der Realität vorbei“, wie man es von Jura denken könnte.

– Argumentieren, argumentieren, argumentieren.
Ich habe schon in der Schule sehr gerne diese ausführlichen Analysen geschrieben, bei denen man sich allen möglichen Quatsch aus den Fingern saugt, von dem dir aber in den seltensten Fällen wirklich jemand unterstellen kann, er sei inkorrekt. Das geht in meinem Studium wunderbar, insbesondere deshalb, weil es nicht „die eine richtige Lösung“ gibt.

– Die eigene Ausdrucksweise verbessert sich, zumindest im Schriftlichen, durch das ständige Üben enorm.

– Ultraseriöse Emails schreiben und mit Paragraphen um sich werfen, falls es mal notwendig ist, bereitet keine Probleme mehr. Man kennt seine Rechte und lässt sich nicht mehr so leicht über’s Ohr hauen. So hat mir mein ehemaliger Stromanbieter die 280€, die er mir unberechtigterweise abgerechnet hat, nach langem pseudojuristischen Hin und Her auch wieder zurückerstattet. Sowas bereitet echt Freude! 😀

– Freie Zeiteinteilung.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass jeder Tag im Studium genauso durchgeplant ist wie in der Schule. Ob ich mir im Bett irgendwelche Lernvideos reinziehe, von früh morgens bis spät abends in Vorlesungen sitze oder mittags ’ne Runde laufen gehe, bleibt mir überlassen. Dranbleiben muss man natürlich trotzdem irgendwie.

– Gute Jobchancen
so sagte man mir zumindest. Inwiefern das stimmt muss ich noch herausfinden, aber ich hoffe sehr, dass es sich bewahrheitet, dass Jura etwas ist, mit dem einem „alle Türen offen stehen“.

Ob ich mich nochmal für dieses Studium entscheiden würde, kann ich wahrscheinlich erst in der Retrospektive sagen. Momentan möchte ich das Examen einfach schnellstmöglich hinter mich bringen und dann endlich mal wieder aus der Routine ausbrechen und auf Reisen gehen. Und ja, ich habe schon eine lange Liste von Dingen, die ich nach dem Examen tun möchte. Aber ich glaube auch, dass sowohl der Schwerpunkt an der Uni als auch praktische Erfahrungen wirklich spannend werden können. Trotzdem sollte man sich meiner Meinung nach nicht leichtfertig auf dieses Studium einlassen, sondern am besten schon ein klares Ziel vor Augen haben.

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