Gedanken, Psyche

Wenn du es sowieso machst, hab wenigstens Spaß dabei

Viele Dinge tun wir nicht, weil wir es unbedingt wollen, sondern aus einer bestimmten Notwendigkeit heraus. Putzen, lernen, Treffen und Veranstaltungen, auf die wir eigentlich keine Lust haben, alles irgendwie nicht das Ende der Welt, aber nervig genug, um einem die Laune zu verderben.
In meinem Fall war es ein Halbmarathon in Madrid (also etwas, was ich mir zu hundert Prozent selbst ausgesucht hatte), der zeitlich so vorverlegt wurde, dass mir davor nicht ausreichend Schlaf blieb. Außerdem hatte ich kaum trainiert und mittlerweile eingesehen, dass ich aus gesundheitlichen Gründen sportlich ein bisschen kürzer treten muss, aber das ist ein anderes Thema. Auf jeden Fall war ich alles andere als begeistert von der Idee, am frühen Morgen 21 Kilometer durch die Sonne Spaniens zu laufen und hatte das Gefühl, dass mir das Ganze nicht besonders guttun würde.

Noch am Start war ich relativ schlecht gelaunt und wollte eigentlich lieber zurück ins Bett kriechen. Als der Lauf dann losging, kam mir jedoch plötzlich folgender Gedanke: Wenn ich es schon mache, dann kann ich auch einfach versuchen, Spaß dabei zu haben. Zu denken, dass dieser Lauf „ungesund“ für mich ist, würde meiner Gesundheit auch nicht gerade zuträglich sein. Die schlechte Stimmung, in die ich mich selbst versetzt hatte, machte die Situation nur noch unangenehmer. Also würde ich laufen, ohne Druck, ohne Zielzeit im Hinterkopf, intuitiv und mit Freude.

Und was soll ich sagen, der Lauf hat mir einfach Spaß gemacht. Natürlich war er auch anstrengend, die ersten fünf Kilometer ging es nur bergauf und ich kam mir unglaublich langsam vor. Aber überall hörte ich Musik, anfeuernde Rufe und ausgelassene Menschen, sah imposante Gebäude und hübsche Läden, spürte die Wärme, war Teil der Masse. Ich ging nicht an meine Grenzen und versuchte auch niemanden auszustechen, mein einziges Ziel war es, den Lauf so gut es ging zu genießen und das habe ich definitiv geschafft.

Während des Laufens spann ich den Gedanken noch weiter: ich würde mir immer, wenn ich auf etwas quasi Unvermeidbares eigentlich wenig Lust hätte, sagen, dass ich, wenn die Sache schon so unangenehm ist, wenigstens versuchen würde, Spaß daran zu haben. Dass Beerdigungen und Krankenhausaufenthalte nicht so viel Spaßpotential haben wie ein Halbmarathon, geschenkt. Aber die bedeutungslosen Dinge, über die wir uns täglich aufregen? Im Regen nach Hause laufen? Ein Besuch bei entfernten Verwandten? Die Steuererklärung? Schlechte Laune macht’s nicht besser, sie führt in einen Teufelskreis der Negativität.

Letztendlich ist dieser Gedanke absolut nichts Neues. Positive thinking und so, du weißt schon. Für mich aber war er in diesem Moment eine echte Offenbarung und ich bin mir sicher, dass ich auch in Zukunft versuchen werde, aus unangenehmen Situationen das Beste zu machen. Alles andere ergibt einfach keinen Sinn.

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