Gedanken

Auf ungelebte Momente

Während der letzten Monate habe ich mich in einem Leben eingerichtet, das sich kaum richtig entfaltet hat, bevor es schon wieder vorbei war. Aus einem Jahr in einer neuen Stadt, mit neuen Herausforderungen, Lieblingsorten und Freundschaften, wurde ein halbes. Ein halbes Jahr, eine überstürzte Verabschiedung in dem Moment, in dem ich richtig angekommen war. Ein halbes Jahr, die Hälfte der geplanten Erlebnisse und Erfahrungen, ein Jahr mit einem hässlichen Riss in der Mitte.

Heute gedenke ich den Freundschaften, die mitten in der Phase des Entstehens zerschlagen wurden, den unentdeckten Orten und den Abschlussfeiern, die nicht stattgefunden haben. Den Plänen, die nicht in die Tat umgesetzt wurden. Dem Frühling in Maastricht, den ich nicht erlebt habe und meinem erträumten Geburtstagspicknick, den nonexistenten Klettertouren mit einem Verein, dem ich gerade erst beigetreten war. Den Worten, die nie ausgesprochen wurden, in welcher Sprache auch immer.

Und obwohl ich das Gefühl habe, in jeden Text einen „anderen geht es viel schlechter“-Disclaimer einfügen zu müssen, gestatte ich mir, ein wenig melancholisch zu sein. Natürlich, ich hatte eine tolle Zeit, die beste meiner Studienjahre, was es umso schwerer macht, sie so halbvollendet zurückzulassen. Gleichzeitig weiß ich, dass Maastricht für mich immer nur ein Ort des Jetzt war und dass meine Zukunft woanders liegt.

Also spreche ich einen Toast auf ungelebte Momente, erinnere mich an das Neuankommen und versuche zu akzeptieren, was das letzte halbe Jahr für mich war: Chaos und Wachstum und Neuerfindung meiner selbst, eine Phase zum Ausprobieren. Mehr Zwischenstopp als Zielort, aber einer, den ich niemals missen wollen würde.

Ein Gedanke zu „Auf ungelebte Momente“

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