Gedanken

Für alle, die misstrauen und Misstrauen säen

Eigentlich bin ich der Meinung, dass genug über die jetzige Situation diskutiert wird. Eigentlich lese ich kaum Facebook-Kommentare, vor allem nicht solche, die bei denen ich am liebsten schreien möchte. Eigentlich möchte ich mich nicht aufregen, ruhig und gelassen bleiben.

Aber heute habe ich genug von sogenannten Freiheitskämpfern, truth bomb droppers, Aufgewachten. Von Menschen, die lieber Tode in Kauf nehmen als sich in irgendeiner Weise einzuschränken. Die hinter allem eine Verschwörung wittern, nichts und niemandem Glauben schenken. Die im Ernst denken, Wissenschaft und Politik hätten sich gegen sie verschworen, alles wäre eine große Lüge und sie allein diejenigen, die sie durchschauen. Gefälschte Zahlen, Berichte, Bilder, und dann die wirren Gedanken obskurer Aufklärer als höchste Wahrheit. Ich denke an alle, die den Erlass einer Maskenpflicht als tiefsten Einschnitt in ihre Freiheitsrechte sehen und ältere Menschen als Opfer einer natürlichen Auslese. Die der festen Überzeugung sind, Bill Gates oder sonstwer habe dieses Virus in die Welt gesetzt.

Versteht mich nicht falsch, ich bin für kritisches Denken und Hinterfragen, immer, besonders in Zeiten, in denen Geld alle Türen öffnen kann. Hinterfragt die Medien, die Politik, den Kapitalismus. Blinder Gehorsam ist nicht der Weg. Und ja, es herrscht Meinungsfreiheit. Das impliziert, dass Meinungen kundgetan werden dürfen, die dir und mir nicht passen könnten. Man kann und darf die von den Regierungen angeordneten Maßnahmen kritisch sehen. Aber heute weiß keiner, was falsch und was richtig ist, was zu viel und was nicht genug. Ich möchte und muss das nicht für andere entscheiden, aber irgendwer muss es tun.

Es ist ein Paradox: werden viele Maßnahmen ergriffen und das Befürchtete tritt nicht ein, so heißt es es sei doch überhaupt nichts passiert, das wäre ja alles nicht nötig gewesen. Und wenn zu lange abgewartet oder zu wenig eingegriffen wird – naja, dann sieht die Situation auch nicht besser aus. Ein Spiel, bei dem man nur verlieren kann.

Letztendlich ist unreflektiertes Misstrauen gegenüber dem Staat (und anderen) nicht weniger schädlich als blindes Vertrauen. Menschen nehmen die Lage nicht ernst, gefährden sich selbst und andere, schüren Zwietracht. Sehen sich als Opfer einer nonexistenten Diktatur. Wenn wir einander von Grunde auf misstrauen, wissenschaftliche Fakten nicht nur verstehen und hinterfragen wollen, sondern von vornherein als Unwahrheit abtun, was bleibt uns dann? Nicht mehr als die selbsterbaute oder fremdgeprägte Ideologie unserer eigenen kleinen Welt, unseres Universums aus Argwohn und Paranoia, an die wir uns ängstlich klammern.

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