Gedanken, Psyche

Multitasking nervt

Eigentlich mache ich nicht gerne mehrere Dinge auf einmal. Trotzdem tue ich es andauernd: Ich putze Zähne und schaue Netflix, mache Sprachnachrichten, während ich einkaufen gehe, lese drei Bücher parallel. Ich checke minütlich meine Mails, während ich Sachen für die Uni erledige, weil ja immer etwas Wichtiges dabei sein könnte. Meine Gedanken sind ein buntes Wirrwarr aus to-dos und want-to-dos.  Ein Denkarium, in dem ich sie eine Zeit lang ablegen kann, ist mein größter Wunsch.

In meinem Kopf und auf meinem Laptops sind ständig zehn Tabs geöffnet. Ich bin so gut wie immer erreichbar, über verschiedene Kanäle, mithilfe verschiedener lustiger Pfeif- und Klopftöne. Hallo, jemand da? Und ich springe und renne und antworte. Klar, was brauchst du?

Ob das eine Form von people pleasing ist?

Wie oft habe ich gelesen, dass Menschen nicht für Multitasking gemacht sind. Während wir so tun als wären wir besonders produktiv, verarschen wir uns eigentlich nur selbst, werden fahrig und unkonzentriert. Am Ende das Tages haben wir kaum etwas geschafft, waren aber gefühlt mit hundert Dingen beschäftigt. Also klopfen wir uns selbst auf die Schulter, weil wir ja so busy sind, so beliebt und gefragt.

Ich verarsche mich ständig selbst. Ich tue es, indem das Facebook-Tab geöffnet bleibt, während ich recherchiere, da ja jemand auf mein Inserat antworten könnte. Ich tue es, indem ich auf Instagram hänge, wenn ich eine Pause brauche, statt mal richtig zu entspannen und indem ich Ideen verstreut an den unterschiedlichsten Orten notiere.

Das begreife ich nicht zum ersten Mal, ich rufe es mir immer wieder in Erinnerung. Und das ist ein erster Schritt, oder?

Lösungen zu finden fällt mir dennoch schwer. Handy aus, kurzer Bodyscan, ein- und ausatmen nicht vergessen, schon klar. Dennoch bin ich nicht der Typ für Pläne a la „von 08:15 bis 09:00 Uhr Recherche, dann eine Stunde schreiben. Mittagessen um 12:30 Uhr.“ Während ich an einigen Tagen richtig produktiv und motiviert morgens um sieben am Schreibtisch sitze, bleibe ich an anderen Tagen lieber länger im Bett und lese. Wenn mich eine Idee oder der Drang durch die Wohnung zu tanzen packt, möchte ich dem nachgehen. Ich brauche eine gewisse Flexibilität, aber Multitasking, das brauche ich nicht.

Ein paar Tabs zu schließen wäre ein Anfang und das Sinnvollste, was mir auf die Schnelle einfällt. Ciao also, ich bin jetzt erstmal nicht erreichbar, ich bin für eine kurze Zeit mal im Hier und Jetzt. Über Tipps für flexibles, aber dennoch strukturiertes Arbeiten freue ich mich trotzdem. 🙂

12 Gedanken zu „Multitasking nervt“

    1. Die „was-soll’s-Liste“ klingt super, die mache ich auf jeden Fall! 😀 Und das Handy auszuschalten ist auf jeden Fall auch hilfreich, an sowas muss ich mich immer mal wieder erinnern, bis es sitzt. 🙂
      Dankeschön!

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  1. Danke für den Beitrag Helen, war ich doch selber lange auf dem Trip.
    Multi-Tasking ist aber Blödsinn. Ja, man kann beim Bügeln ein Hörbuch hören. Und beim Kaffeekochen ein Toast warm machen. Aber das ist nicht Multi-Tasking. Echtes Multi-Tasking, also mehreren Aufgaben zur gleichen Zeit, die volle Aufmerksamkeit widmen, können Menschen nicht. Computer übrigens auch nicht. Das beruhigt.

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    1. Hm, du hast recht. Dann meine ich wohl sowohl „echtes“ Multitasking, was, wie wir uns einig sind, sowieso nicht funktioniert, als auch einfach diese „tausend-Tabs-offen-Mentalität“ und den Drang, immer etwas zu erledigen. Vermutlich sind das verschiedene Dinge, aber sie gehen mir gerade alle auf den Wecker. 😀
      Danke für deinen Kommentar.

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      1. Hi Helen, bei mir sind auch ständig zig Tabs offen und die mobilen Geräte piepen im Kanon. Geht mir auch gehörig auf den Wecker, habe noch kein Rezept gefunden, womit man diesem Wahnsinn nachhaltig Herr/Frau wird. Außer Ausschalten … aber das habe ich auch nicht hinbekommen

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  2. Du sprichst mir total aus der Seele, genau die gleichen Muster bemerke ich bei mir auch oft… ich glaube auch, Einsicht ist schon mal der erste Schritt zur Besserung. ich bin gespannt, wie gut ich das in der nächsten Zeit hinbekomme 🙂

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  3. Liebe Helen, ich würde Dir sehr gerne Tipps geben, wie man dem Multitasking Dilemma aus dem Weg geht, aber leider scheitere ich selbst regelmäßig dabei. Ich fühlte mich beim Lesen der zig geöffneten Tabs jedenfalls direkt ertappt…und ärgere mich manchmal sehr über mich selbst, wenn ich den ganzen Tag 1000 Sachen gleichzeitig mache, anstatt mich wirklich auf eine Sache zu konzentrieren. Das funktioniert bei mir nur offline ganz gut, weil ich da mein Handy und den Laptop einfach weglege, aber so bald ich eins der Geräte öffne, bin ich gefühlt in 100 Welten gleichzeitig…Von daher bin ich auch sehr offen für Tipps, vielleicht meldet sich ja jemand! 😀
    Hab einen schönen Start in die neue Woche 🙂

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    1. Hi Johanna, wenn es offline klappt, ist ja schon mal echt gut. 😀
      An sich finde ich diese Pomodoro-Methode nicht schlecht, bei der man 25 min konzentriert ist und dann 5 min Pause macht, da gibt es online Timer für. Bloß werden meine Pausen oft länger und länger… 😀
      Dir auch ’ne schöne Woche! 🙂 ♡

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  4. Danke dir für den Beitrag und den gedanklichen Anstupser! Ich kenne das vor allem beim Lesen. Viel zu oft lege ich das Buch kurz beiseite und schnappe mir mein Handy, lese die ein oder andere WhatsApp-Nachrichte, checke die Mails, gucke auf Facebook … Dabei gibt es für mich persönlich kaum ein schöneres Gefühl, als komplett in einem Buch zu versinken. Spannend, dass wir es scheinbar nicht gelernt oder verlernt habe, uns ganz auf eine Sache zu fokussieren.

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