Gedanken, Psyche

Warum Grübeln wie ein Schaukelstuhl ist

Mein Gehirn möchte etwas zu tun haben. Und wenn es nichts zu tun gibt, dann bastelt es sich seine Aufgaben selbst. Zum Beispiel, indem es analysiert, was in Zukunft alles schiefgehen könnte oder was noch alles zu tun ist. Dabei handelt es sich natürlich um Dinge, die ich gerade in diesem Moment nicht erledigen kann, die völlig sinnlos in meinem Kopf ihre Runden drehen und dazu führen, dass ich vor lauter „ich hab so viel zu tun“ wie paralysiert bin. Dabei versinke ich immer tiefer in dieser Spirale, je mehr ich grüble, desto schneller drehen sich meine Gedanken und desto weniger fange ich tatsächlich an, die Dinge, die mich beschäftigen, anzugehen.

Dabei sind mir zwei Dinge eigentlich klar:

  1. Mein Gehirn, der kleine Workaholic, sollte mal eine Pause bekommen.
  2. Diese Gedankenschleifen bringen mich in keinster Weise voran.
    Oder in den Worten von Glenn Turner:

„Worrying is like a rocking chair, it gives you something to do, but it gets you nowhere.“

Auf verdammt wenige Dinge auf dieser Welt haben wir tatsächlich einen Einfluss. Um die Sorgenspirale in meinem Kopf zu durchbrechen hilft es mir zu erkennen, was ich tatsächlich ändern kann und was nicht. Zum Beispiel projiziere ich meine Sorgen häufig in die Zukunft: Was, wenn die Reise/der Job/die nächste Zeit nicht so wird wie geplant? Naja, ich kann mich darauf vorbereiten, ich kann mit Optimismus an die Sache herangehen – aber ob es trotzdem eine Katastrophe wird, kann ich nicht maßgeblich beeinflussen. Dieser Gedanke führt also nirgendwohin. Anders ist es natürlich bei Dingen, auf die ich einen (größeren) Einfluss habe und über die ich lösungsorientiert nachdenken kann. Nehmen wir das Schreiben von diesem Artikel: ich kann dafür sorgen, dass er in sich schlüssig ist, meiner Meinung nach halbwegs interessant und nicht vor Grammatikfehlern wimmelt, aber ob er irgendwem gefällt, liegt außerhalb meines Einflussbereichs.

Mein erster Schritt aus der Gedanken- bzw. Sorgenspirale ist es deshalb, mich zu fragen, ob ich das, worüber ich mir Sorgen mache, irgendwie beeinflussen kann. In 95% der Fälle kann ich das nicht und ich verstehe, dass die Grübelei überhaupt keinen Sinn macht. Das klingt und ist ziemlich banal, aber vor lauter was-wäre-wenn komme ich im Normalfall kaum auf diesen Gedanken und ich kann mir vorstellen, dass es anderen ähnlich geht. Jedes Mal, wenn mein Gehirn wieder mit so einem Gedanken um die Ecke kommt, mache ich mir klar, dass er zu nichts führen kann, am besten, bevor ich mich allzu tief in der Spirale befinde. Dann kann ich mein Gehirn mit sinnvollerem Input füttern, oder noch besser, ihm mal eine Pause gönnen, indem ich zum Beispiel Sport treibe oder meditiere. Yoga ist eine gute Mischung aus diesen zwei Dingen. 🙂

Wenn ich hingegen bemerke, dass sich etwas, was mich beschäftigt, tatsächlich in meinem Einflussbereich befindet, kann ich an einer Lösung feilen. Manchmal bedarf es dazu gar keiner ausgeklügelten Strategie – wer hat sich nicht schon mal mit dem Gedanken gestresst, dass er oder sie noch einkaufen gehen muss, obwohl das total schnell erledigt wäre?

Außerdem habe ich gemerkt, dass es mir hilft, meine To-do-Listen zu restrukturieren. Während ich vorher alles irgendwo an einem Ort notiert habe und dadurch das Gefühl bekam, alles müsse unbedingt sofort erledigt werden, setze ich mir jetzt täglich realistischere Ziele. Diese kann ich sofort angehen, anstatt vor lauter Überforderung komplett zu resignieren.

Die Erkenntnis, dass das Grübeln über etwas keinen Sinn macht, ist vielleicht nicht weltverändernd. Trotzdem hilft sie mir, mich immer wieder bewusst dafür entscheiden, nicht in eine Gedankenspirale abzurutschen. Denn auch, wenn wenig auf dieser Welt in unserem (direkten) Einflussbereich liegt, unsere Gedanken tun es ganz sicher.

 

 

2 Gedanken zu „Warum Grübeln wie ein Schaukelstuhl ist“

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