Gedanken, Psyche

Ich falte mich akkurat zusammen.

Manchmal wirft mein Strahlen lange Schatten und Sterne tanzen in meinem Rhythmus. Manchmal bin ich riesengroß.

Doch meistens falte ich mich selbst so klein zusammen, dass ich in jede Tasche passe. Wie praktisch das doch für alle Beteiligten ist! So wenig, an dem man sich stoßen kann.

Ich verkaufe mich häppchenweise, bin leicht verdaulich, neutral genug für jeden Geschmack. Und später schnell vergessen.

Ich verstecke Teile von mir hinter Ecken oder taste mich Zentimeter für Zentimeter an neue Menschen und Situationen heran. Understatement ist mein zweiter Vorname.

Ach, das ist doch alles keine große Sache. Bevor Blicke auf mich fallen, ducke ich mich weg, bin Luft oder Wasser, ganz nach Bedarf.

Ein nettes Mädchen nimmt keinen Raum ein und macht keine Umstände. Sie winkt ab, lenkt ab, gibt anderen den Vortritt. Sie sagt irgendwie, sagt vielleicht, sagt lieber gar nichts.

Seit vielen Jahren folge ich ihrem Vorbild. Nur wenigen Menschen zeige ich mich, wie ich wirklich bin, mit Schatten und ganz viel Licht, mit Ideen und Erfolgen, mit einer Stimme.

Doch ich will meine Meinung nicht länger verwässern, bis sie jede*m schmeckt. Ich will nicht mehr über meine Leistungen hinweglächeln und schnell das Thema wechseln.

Ich würde gerne schreiben, vergessen wir das nette Mädchen. Doch die Wahrheit ist eher: Ich werde mich Stück für Stück entfalten. Um jeden Zentimeter Raum kämpfen. Und irgendwann, vielleicht, auf die vielleichts verzichten.

Bildnachweis: Daria Shevtsova via pexels.com

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