Nachhaltigkeit, Reisen

2 Wochen weniger auf Mallorca oder ein Einblick in ein minimalistischeres Leben

Während der letzten beiden Wochen habe ich (weitgehend) ohne Strom, WLAN und fließend Wasser gelebt. Und soviel vorweg: Ich hatte den entspanntesten Urlaub seit Langem.

Nachdem eine Freundin meines Freunds mit ihrem Partner nach Mallorca ausgewandert ist, um dort in kleinem Umfang ökologische Agrarwirtschaft und Tourismus zu betreiben, hatte ich die Insel als Urlaubsziel schon länger im Blick. Schwer zu leugnen, Mallorca weckt erstmal Gedanken an Eimersaufen und Schlagergegröle und ist zur Hochsaison normalerweise chronisch überlaufen. Aber neben einer (normalerweise) ausgeprägten Partyszene hat Mallorca hat auch steile Klippen, Höhlen, malerische Bergdörfer und türkisfarbenes Wasser in mehr oder weniger abgelegenen Buchten zu bieten. Auf einer Finca inmitten des Landes liefen wir auch nicht Gefahr, in der jetzigen Situation mit zu vielen anderen Touristen auf einem Haufen zu sitzen.

Als wir unseren Flug buchten, wussten mein Freund und ich, dass unsere Freunde noch auf eine Baugenehmigung warteten. „Kein Strom, kein Wasser“ war dennoch eine Überraschung für uns. Weiterlesen „2 Wochen weniger auf Mallorca oder ein Einblick in ein minimalistischeres Leben“

Gedanken, Nachhaltigkeit, Psyche

Konsumglück

Ich kaufe gerne Sachen. Wenn ich auf „jetzt bestellen“ klicke oder einen Gegenstand persönlich als meinen entgegennehme, schlägt mein Herz ein bisschen höher. Ich freue mich wie ein Kind darüber, mir die Sache zuhause nochmal anzuschauen und sie zum ersten Mal zu tragen oder zu benutzen.
Das ist bestimmt kein ungewöhnliches Geständnis, ich glaube wie mir geht es den meisten von uns. Selbst der absolute Shopping-Hasser wird zugeben müssen, dass es ein schönes Gefühl ist, etwas Neues zu erhalten – im besten Fall ohne sich vorher durch überfüllte Einkaufsstraßen quälen zu müssen. Zudem wird uns von der Werbung ja auch immer wieder suggeriert, dass uns dieser eine Gegenstand glücklicher, schöner und zufriedener machen wird, dass wir ihn brauchen oder ihn uns gönnen dürfen.

Und obwohl dieses Glücksgefühl so angenehm ist, habe ich meine Probleme damit. Ich weiß nämlich, dass es nicht von Dauer ist, so schnell wie es auftaucht, verschwindet es auch wieder und die aufregende neue Sache wird gewöhnlich, eine von vielen, die in unseren Schränken liegt. Irgendwie ist der Kick weg. Also muss etwas Neues her.

Ich bin beileibe kein Shopaholic, der sich Hals über Kopf für ein paar High Heels in den Ruin stürzt oder aufgrund der anderweitigen Ausgaben nach der Hälfte des Monats kein Geld mehr für Essen hat. Eher bin ich das Gegenteil, mehr oder weniger vernünftig und zurückhaltend mit meinen Ausgaben. Außerdem versuche ich, möglichst nachhaltig zu leben, nicht zu viele Ressourcen zu verschwenden und Unternehmen mit dubiosen Standards und Arbeitnehmerregulatorien nicht zu unterstützen. Vielleicht gefällt es mir gerade deshalb nicht, dass sich mein Herz an all diesen materiellen Dingen so erfreut.

Oft habe ich nämlich das Gefühl, dass Konsum für uns zum Ersatz wird. Wir kaufen ein, wenn wir etwas dringend brauchen, doch dabei handelt es sich nicht um die achte Jeans oder das Top mit dem Paillettenkragen, sondern einfach um ein gutes Gefühl. Wir wollen Beschäftigung, Zuneigung, Unterhaltung, Anerkennung und wir bekommen stattdessen ein Paket vom Onlinehändler unserer Wahl. Das gute Gefühl ist da, doch es ist, wie die erworbene Ware, nicht nachhaltig, es ist eine Mogelpackung. Eine Prise schlechtes Gewissen bleibt. War das jetzt wirklich notwendig?

Dabei ist oft nicht einmal der Wert der Sache wirklich entscheidend, freue ich mich über gebrauchte Kleidung vom Flohmarkt doch genauso wie über teuren Schmuck. Trotzdem möchte ich mich bewusst dazu entscheiden, meine Zeit nicht mit dem Durchsuchen von Onlineshops zu widmen, wenn ich Langeweile habe, sondern mein persönliches Glücksgefühl auf andere Art und Weise herbeizuführen. Denn, ganz ehrlich, schlägt euer Herz nicht auch höher, wenn ihr euch mit guten Freunden unterhaltet, etwas selbst erschafft oder etwas Neues lernt? An diese Dinge werden wir uns garantiert öfter mit Freude erinnern als an die neue, alte Hose, die so ein Schnäppchen war. Und das schlechte Gewissen bleibt auch aus. 🙂

Nachhaltigkeit

12 einfache Tipps für mehr Nachhaltigkeit im Alltag

Nachhaltigkeit ist ein großes Wort. Ja, wir wissen, dass Plastik schlecht für die Umwelt ist, die Kleidung in den großen Schaufenstern wahrscheinlich nicht unter den allerbesten Bedingungen hergestellt wurde und die Strecke zum Supermarkt auch mit dem Fahrrad hätte bewältigt werden können.
Doch auch, wenn der Jutebeutel im Schrank liegt und das Fahrrad vor der Tür steht, grätscht uns allzu oft einfach die Bequemlichkeit dazwischen. Was jedoch einmal zur Gewohnheit wurde, wird bald wie automatisch praktiziert. Deshalb habe ich hier ein paar Tipps zusammengetragen, mit denen mehr Nachhaltigkeit nicht länger nur Theorie bleibt.

Alleine schon für das gute Gewissen lohnt es sich darauf zu achten, oder? 🙂

Plastikmüll vermeiden

1. Eigentlich ein No-Brainer: eine eigene Tasche für den Einkauf mitbringen.
Und wenn nur eine Handtasche dabei ist – ein bisschen Obst und Gemüse passt da auch rein, ohne dass es einer von diesen Tüten aus dem Supermarkt bedarf.

2. Große Mengen und Größen kaufen (z.B. an Reis, Nudeln, Nüssen…)
Nebeneffekt: Weniger Stress, weil nicht dauernd etwas ausgeht. 😀

3. Selber machen!
Dauert zwar etwas länger, aber selbstgemacht Wraps, Burgerpatties und selbst Zahnpasta schmecken doch sowieso viel besser als gekaufte.

4. Eine Wasserflasche mitnehmen und unterwegs auffüllen.

5. Dem Unverpackt-Laden einen Besuch abstatten.
Und über das Angebot staunen.

6. Auf Naturkosmetik oder „Haushaltsmittel“ (wie Arganöl) zur Pflege umsteigen.
Was einem oft nicht wirklich bewusst ist: Auch in herkömmlichen Kosmetika befindet sich häufig Mikroplastik, das am Ende in unserem Wasserkreislauf landet.

Ressourcen schonen & CO2 sparen

7. Lokal(er) und regional(er) einkaufen.
Öfter mal auf das Herkunftsland der Produkte achten. Gemüse etc. ist so auch frischer und viel günstiger!

8. Weniger Fleisch essen.
Und stattdessen mit pflanzlichen Rezepten experimentieren.

9. Einkäufe hinterfragen.
Lieber etwas Langlebigeres und Zeitloseres wählen als die unpraktische Trend-Tasche in orange.

10. Passend dazu: auf Flohmärkten stöbern.
Das Glücksgefühl, wenn man etwas Tolles findet, ist mindestens doppelt so groß.

11. Reparieren statt wegwerfen.
Funktioniert besonders gut mit Klamotten – und bei irreparablen Schäden besteht immer noch die Möglichkeit, daraus etwas Neues und Schönes zu machen.

12. Bei Autofahrten Mitfahrer mitnehmen oder selbst mitfahren.
Ziemlich sicher machst du auch die eine oder andere interessante Bekanntschaft.

Natürlich gibt es noch tausend andere Dinge, die jeder für sich umsetzen kann.
Was sind deine Tipps zum Thema Nachhaltigkeit? Was tust du schon, was fällt dir (noch) schwer?

Gedanken, Nachhaltigkeit, Psyche

Ich weigere mich zu glauben, dass ich keinen Unterschied machen kann

„Geh wählen!“ dazu hat uns jeder zweite Facebookpost und jeder entfernte Bekannte während der letzten Wochen aufgefordert. „Es ist ein Privileg, in einer Demokratie geboren zu sein und sich seine Regierung selbst aussuchen zu dürfen!“ „Wer nicht wählt, darf auch nicht meckern.“ Und wir, zumindest die meisten von uns, haben unsere Wahl getroffen.

Doch auch in anderen Lebensbereichen werden wir täglich vor eine Wahl gestellt. Was und wo kaufen wir, wofür engagieren wir uns, wie behandeln wir andere? Das kann, wenn man ein bisschen bewusster an die ganze Sache rangeht, ganz schön anstrengend sein.
Aber haben wir uns nicht alle schon mal gefragt, wie schwer unser Stimmgewicht wirklich wiegt und ob es sich überhaupt lohnt, so oder so zu handeln, besonders, wenn es nicht um einen konkreten Sachverhalt, sondern eher um das große Ganze geht?

Mein Vater sagte mal zu mir, dass wir nicht alles über unseren Konsum steuern können. Ja, das können wir nicht. Aber können (und wollen) wir nicht trotzdem täglich die bestmöglichen Entscheidungen treffen? Ich bin so idealistisch zu glauben, dass jeder einen Unterschied machen kann. Wenn uns das vor jeder Wahl so entgegenschallt und wir es weitertragen, dann sollte es uns auch ansonsten nicht fernliegen, an unsere Macht als Bürger und Konsumenten zu glauben. Wer weiß, was ein Umdenken eines Einzelnen alles nach sich ziehen kann.

Natürlich brauchen wir Aktivismus und nicht nur „faireren“ Konsum. Warum denn nicht beides? Warum denn, wenn es gar nicht anders geht, nicht nur eins von beiden anstatt nichts davon?
Es ist bequem zu sagen, dass wir nichts ändern können. Dass wir den Klimawandel nicht stoppen oder zumindest die Auswirkungen eindämmen können, dass wir nichts dafür können, dass Menschen in anderen Ländern hungern und vor Krieg und Gewalt fliehen müssen. Ich bin mir oft nicht sicher, wieviel wir bewirken können. Aber ich kann es nicht ertragen, nicht an die Macht von uns Einzelnen zu glauben. Ich kann mich nicht damit abfinden, nur Zuschauer des Spiels zu sein. Ich muss daran glauben, etwas verändern zu können, dass mein Beitrag ins Gewicht fällt. Etwas anderes kommt schlicht nicht in Betracht.