Reisen

Die Welt in meinem Auto

Heute möchte ich über etwas schreiben, über das ich auf den Blogs, denen ich so folge, noch nicht viel gelesen habe: Mitfahrgelegenheiten.
Das klingt erstmal ziemlich simpel. Klar, gute Sache, man kommt schneller an, es ist nicht teuer und im Optimalfall hat man ein bisschen Unterhaltung und weniger Autos, die die Straßen verstopfen. Mir gibt es aber noch ein bisschen mehr, mit den unterschiedlichsten Leuten quasi ein Stück meines Weges zu teilen.

Seit ich vor fünf Jahren nach Köln gezogen bin, zieht es mich mal mehr, mal weniger regelmäßig in mein „Heimatdorf“ zurück. Während ich zu Anfang meines Studiums noch an jedem zweiten Wochenende bei meinen Eltern zu Besuch war, ist das jetzt eher alle zwei Monate der Fall. Dort, wo ich herkomme, bin ich auf ein Auto angewiesen und ich bin ziemlich dankbar dafür, dass ich damit schnell und einfach in „die Stadt“ oder an andere Orte kommen kann. Billig ist das Ganze nicht und müsste ich für das Benzin komplett selbst aufkommen, würde ich wohl doch eher mit Bus oder Bahn fahren. Bis auf wenige Ausnahmen hatte ich also – zunächst nur um Geld zu sparen – auf jeder Fahrt von Köln Richtung Mannheim und zurück bisher ein bis drei Mitfahrer.

Was jetzt, bis auf den finanziellen Aspekt, so toll daran sein soll, fremde Leute in sein Auto zu packen und mit ihnen 2,5 Stunden auf engstem Raum zu verbringen?
Da gibt es mehrere Dinge. Zum einen komme ich so in Kontakt mit wahnsinnig unterschiedlichen Leuten: Meist sind es Studenten, aber auch ältere Menschen, die ihre Kinder besuchen, waren dabei; von vielen Studiengängen und Berufsgruppen hatte ich noch nie zuvor gehört. Meine Mitfahrer sind Bauarbeiter und Schauspieler, BWL-Studenten und Theologen, Menschen, die unter normalen Umständen einfach nicht so zufällig und so eng zusammenkämen.
So eine Fahrt kann lang sein und oft ergeben sich nach dem anfänglichen Smalltalk wirklich tiefsinnige Gespräche und persönliche Geschichten werden geteilt. Wiedersehen wird man sich wahrscheinlich nicht, niemand verstellt sich, um dem anderen zu gefallen, irgendwie ist jeder ehrlich und alles echt, manchmal auch total verrückt. Wenn ich nur einen Mitfahrer hatte, waren die Gespräche oft besonders eindrücklich und spannend, was mir einfach auch nach der Fahrt noch total gute Laune macht.
Mit jeder Geschichte lerne ich mich auch selbst ein bisschen besser kennen, übe mich in Empathie und hinterfrage vielleicht auch meinen Alltag und meine Gewohnheiten.

Besonders berührt, aber auch ziemlich mitgenommen hat es mich, eine Fahrt mit einem syrischen Geflüchteten zu teilen, der mir während der 2,5 Stunden ganz offen von seiner Flucht über das Mittelmeer und Osteuropa, seiner Sorge um seine Familie und seinen Versuchen, sich in Deutschland etwas aufzubauen berichtet hat.
Aber auch, wenn es nicht um persönliche Schicksale geht, finde ich es einfach sehr interessant, die Perspektive anderer auf bestimmte Dinge mitgeteilt zu bekommen und auch meine Meinung ehrlich loszuwerden. So bekomme ich immer wieder Anregungen, über den Tellerrand zu schauen. Häufig bewegt man sich in einem Dunstkreis von Menschen mit ähnlichen Berufen und Ansichten, aber auf den Fahrten merke ich, wie vielseitig Interessen und Werdegänge sein können.

Natürlich ist das alles nicht jedermanns Sache, manche Leute sind vom Gerede Anderer einfach schnell genervt. Bei mir ist das Gegenteil der Fall, ich finde persönliche Geschichten meist wahnsinnig spannend. Ich habe auch das Gefühl die Fahrt von Köln nach Mannheim hat genau die richtige Länge, um einen Einblick in das Leben eines anderen zu bekommen, ohne dass es unangenehm oder langweilig wird. Selbst bei langen Gesprächspausen oder wenn gar keine Unterhaltung zustande kommt, ist das für mich als Fahrerin kein Problem: ich konzentriere mich auf die Straße, mache ein bisschen Musik an und bringe die anderen sicher an ihren Zielort.

Auch, wenn fremde Menschen ab und zu nervig sein können und bestimmt nicht jeder Mitfahrer Potenzial hatte, mein neuer bester Freund zu werden, kann ich es einfach total empfehlen, dieses Verkehrskonzept zu nutzen und dabei auch noch etwas für seinen Geldbeutel und potenziell für die Umwelt zu tun, wenn man denn sowieso schon mit dem Auto fährt. Ich habe sogar so einen Spaß daran, dass ich ab und zu scherze, dass Taxifahrerin für mich vielleicht nicht der schlechteste Job wäre.

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