Gedanken, Psyche

Alles kommt wieder?

Vor ein paar Tagen hatte ich ein sehr interessantes Gespräch mit einer Freundin. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn sie ist die Art von Freundin, mit der sich aus dem Nichts die tiefgründigsten Gespräche ergeben. Eigentlich kenne ich sie nicht wirklich gut, habe nicht den geringsten Einblick in ihren Alltag. Vielmehr sind wir uns im letzten halben Jahr regelmäßig bei Veranstaltungen über den Weg gelaufen und haben uns ab und zu danach bei einer Tasse Tee gegenseitig das Herz ausgeschüttet, einfach so.

Dieses Mal merkte sie jedenfalls an, dass sie sich häufig in Situationen befinde, die sie glaube so ähnlich schon mal erlebt zu haben. Und auch ich kenne das gut: bewährte Muster in Beziehungen, aber auch generelle Lebensumstände, die sich zu wiederholen scheinen. Nach meinem Studium stehe ich an einem ähnlichen Punkt wie nach der Schulzeit, frage mich manchmal, was ich überhaupt dazugelernt habe. Freundschaften und Partnerschaften verlaufen in Phasen, die sich jedes Mal erstaunlich ähnlich sind.

Dennoch waren wir beide der Meinung, dass wir Menschen nicht dazu verdammt sind, immer wieder die gleichen Erfahrungen zu machen.

Ich erinnere mich – leider nur vage – an ein Bild aus dem Ethikunterricht: das Leben als Linie, als Kreis, als Spirale oder chaotisches Gekritzel. Verschiedene Konzepte, jedes mit seinem eigenen Charme und seinen eigenen Unzulänglichkeiten. Während einige Philosophen der Ansicht waren, das Leben folge einer klaren (vorbestimmten?) Ordnung, glaubten andere an ein „unordentliches“ Universum voller Zufälle. Wieder andere verfolgten den Gedanken, dass alle Ereignisse der Form einer Spirale folgen.

Die Spirale ist ein Symbol, welches sich in zahlreichen Naturphänomenen wiederfindet und schon von den alten Griechen verwendet wurde. Folgt man dem Lebenskonzept der Spirale, so könnte man denken, das Leben fährt munter mit uns im Kreis, bis wir etwas verändern. Dieselben Probleme tauchen nach einer Weile wieder auf wie ungeliebte alte Bekannte. Wenn wir ihnen so begegnen, wie wir das immer tun, sie ignorieren oder über sie hinwegschreien, stehen sie ehe wir uns versehen wieder vor der Tür. Wenn wir sie allerdings eingehend betrachten und unser in der Zwischenzeit (hoffentlich) erlerntes Wissen anwenden, heißt es „level up“. Glückwunsch, der Kreis wurde durchbrochen, jetzt geht’s eine Stufe höher. Auch unser kollektives Leben lässt sich, wie das eines einzelnen Menschen, als Spirale betrachten.

Mir persönlich sagt diese Spirale des Lebens durchaus zu. Sie bietet Raum zum Lernen, sie folgt einer gewissen Ordnung, innerhalb derer jedoch ein Spielraum für unterschiedliche Handlungsweisen bleibt, die zu unterschiedlichen Resultaten führen. Sie gesteht zu, dass Wachstum nicht linear ist, sie bringt es mit der natürlichen Kontinuität in Einklang.

Für sich in unserem Leben wiederholende Muster müssen wir keine übernatürlichen Kräfte verantwortlich machen (auch, wenn das durchaus seinen Reiz hat). Unsere Eigenarten und Charakterzüge bringen uns dazu, auf Geschehnisse auf bestimmte Art zu reagieren. Und das immergleiche Vorgehen führt mit großer Wahrscheinlichkeit auch zu sehr ähnlichen Resultaten. Abweichungen hingegen ziehen Veränderungen des gewohnten Ablaufs nach sich. Ob die Spirale aufwärts oder abwärts führt, bleibt dabei uns überlassen.

Also lautet die Devise, um nicht stetig im Kreis zu fahren: hinterfragen, hinterfragen, hinterfragen. Die eigenen Reaktionen auf Einflüsse von außen, aber auch, was aus der letzten Runde in der Spirale vielleicht gelernt wurde. Immer und immer wieder das Gleiche erleben zu müssen wäre einfach zu zermürbend.

2 Gedanken zu „Alles kommt wieder?“

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