Gedanken, Psyche

Kleine Veränderungen für weniger (Lern-)Stress und mehr Gesundheit

Die Jahre 2017 bis 2019 haben mich mental ziemlich gefordert. Schon dieses Statement zu machen fällt mir schwer, schließlich geht es mir insgesamt wirklich sehr gut und meine Sorgen mögen anderen lächerlich erscheinen. Aber es ist, wie es ist; wir haben alle unterschiedliche Belastungsgrenzen und gehen unterschiedlich (gut) mit Stress um.
2019 war das Jahr, in dem ich mein erstes juristisches Staatsexamen gemacht habe. Dementsprechend waren die beiden Jahre zuvor stark vom Lernen geprägt und ich habe die Welt vor allem durch die Fenster von Repetitorium und Bibliothek gesehen. So weit, so unspektakulär. Allerdings bin (war?) ich ziemlich perfektionistisch veranlagt und empfand den Druck von Repetitoren, Profs und Mitstudent*innen als belastend, wenn vielleicht auch nur unterbewusst.

Seitdem ich mit dem Lernen für’s Examen angefangen hatte, spielte auch mein Hormonhaushalt verrückt, was sich bis heute noch nicht richtig wieder eingependelt hat. Vor allem aber war ich 24/7 am machen. Nicht, dass ich jeden Tag 12 Stunden oder mehr gelernt hätte – ich glaube mein Lernpensum entsprach im Großen und Ganzen dem Aufwand einer 40- (eventuell bis bis 50-)Stunden-Woche. Aber wenn ich nicht lernte, musste ich irgendwie anders produktiv sein. Einfach mal einen Abend auf dem Sofa liegen? Das wäre ja Zeitverschwendung. Auch, wenn das ein bisschen dramatisch klingt: der Wunsch, einfach mal ein bisschen krank zu sein – nichts ist Wildes, vielleicht ein leichtes Fieber – ist bestimmt vielen Student*innen nicht unbekannt. Eine Entschuldigung zu haben, sich auszuruhen und nichts zu tun, wie schön das wäre.

Heute ist meine Situation weniger stressig. Aber ich habe auch einiges aus den letzten Jahren gelernt.

1. Wenn nichts mehr geht, hör auf. 
Aber das schlechte Gewissen, ich weiß. Und die anderen lernen ja alle immer noch, wie kannst du dann schon nach Hause gehen?
– Einfach weil es nichts bringt weiterzumachen! Mach‘ was Schönes für dich oder ruh dich aus. Du hast mehr davon, morgen wieder fit zu sein, als 8 Stunden „gelernt“ zu haben, wobei du aber 4 Stunden lang nichts aufgenommen hast.

2. Hör auf deinen Körper.
Sofern nicht irgendwelche medizinischen Gründe dagegen sprechen: arbeite mit deinem Körper zusammen, der ist nicht blöd. 🙂 Wenn du Hunger hast, solltest du essen und wenn du abends richtig fertig bist, dich vielleicht nicht 7 Tage die Woche zum Sport zwingen. Manchmal sollte man sich pushen, aber du musst nicht konstant erschöpft sein. Wenn ich diese Phase nochmal durchmachen würde, würde ich viel mehr auf meinen Körper hören und häufiger eine Pause einlegen.

3. Meditier‘ öfter mal.
Gibt es auch Blogposts, die Meditation nicht empfehlen? Wahrscheinlich kannst du es nicht mehr hören, aber Meditation macht es uns viel leichter, mit Stress umgehen zu können. Ich bin entspannter und weniger aufbrausend, wenn ich regelmäßig meditiere. Ein paar Minuten am Tag sind schon viel wert!
Ich mag besonders die App Insight Timer, die bietet eine große Auswahl an geführten Meditationen, aber auch einen Timer für stille Meditationen.

4. Lerne die kleinen Dinge zu schätzen
Noch so ein alter Hut: Dankbarkeit. Du musst kein klassisches Dankbarkeitstagebuch schreiben, wenn das nicht dein Ding ist, vielleicht hilft es dir schon, jeden Tag daran zu denken, was an diesem Tag Positives passiert ist. Ich schreibe immer meine Highlights der Woche bzw. des Tages in meinen Planer und es hilft mir, die schönen Zeiten mehr wertzuschätzen. Außerdem gibt es mir ein gutes Gefühl, diese nachträglich durchzulesen.

5. Isolier‘ dich nicht.
In Lernphasen schotten wir uns oft von allem anderen ab. Das kann helfen, um produktiv zu sein, aber irgendwann brauchen wir auch mal wieder Ablenkung und Kontakt zu unseren Freunden. Manchmal hilft nein sagen dabei, die eigene Energie zu schützen. Manchmal brauchen wir aber auch einfach ein freundschaftliches Gespräch, einen lustigen Abend oder vielleicht auch ’ne gute Party. Auf Dauer ist Isolation nicht so das Wahre. Selbst in einem Café zu lernen kann schon dabei helfen, sich wieder mehr als Mensch zu fühlen.

6. Plane, aber bleib flexibel.
Ein guter Lern- oder Arbeitsplan ist manchmal schon die halbe Miete. Früher habe ich mich dann aber auch sklavisch an einen solchen halten wollen. Wenn das nicht geklappt hat, kam wieder das schlechte Gewissen um die Ecke und ich fühlte mich noch gestresster. Heute plane ich immer noch gerne meine Woche, aber mir fällt es leichter, Aufgaben hin- und herzutauschen oder auch mal auf die nächste Woche zu schieben. Wenn du sowieso, wie ich, eher perfektionistisch veranlagt bist, musst du dir bestimmt keine Sorgen machen, nicht genug zu schaffen. 🙂

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